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02.03.17  |  

LafargeHolcim nimmt Stellung zu Syrienbericht

Im Laufe des Jahres 2016 waren in einigen Veröffentlichungen Vorwürfe zu lesen, die Tätigkeiten der damaligen Lafarge in ihrem Werk in Syrien betrafen. Dabei ging es insbesondere darum, dass Mitarbeitende des Unternehmens im Jahr 2013 Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppierungen und sanktionierten Parteien getroffen hätten, bis das Werk schliesslich im September 2014 evakuiert wurde.

Eric Olsen, CEO LafargeHolcim


Das Unternehmen LafargeHolcim schreibt in einer Mitteilung, es habe als Reaktion auf die Vorwürfe eine unabhängige interne Untersuchung unter der Leitung des Finance & Audit Committee des Verwaltungsrats ein. Die aus der Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass die desolate politische Lage in Syrien die Sicherheit des Werksbetriebs und der Mitarbeitenden vor grosse Herausforderungen stellte. Diese bestanden unter anderem in der Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden sowie darin, dass Lieferungen unterbrochen wurden, die für den weiteren Betrieb des Werks und den Vertrieb erforderlich waren. Zeitweise kontrollierten verschiedene bewaffnete Gruppen die Gegend um das Werk, oder sie versuchten, die Kontrolle auszuüben. «Aufgrund der Untersuchung ist zu schliessen, dass das lokale Unternehmen Gelder an Dritte zahlte, damit Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppen, einschliesslich sanktionierter Parteien, in der Absicht geschlossen werden konnten, den Betrieb weiterführen zu können und sowohl für Mitarbeitende als auch Waren einen sicheren Zugang zum Werk zu gewährleisten», steht in der Mitteilung. Aufgrund der Untersuchung liessen sich allerdings die endgültigen, hinter diesen Dritten stehenden Empfänger dieser Gelder nicht eindeutig ermitteln. «Aus heutiger Sicht kann festgestellt werden, dass die für den weiteren Betrieb des Werks erforderlichen Massnahmen nicht akzeptierbar waren. Wohl haben die für Syrien Verantwortlichen offenbar in der Absicht gehandelt, wie sie dies für das Unternehmen und die Mitarbeitenden für richtig hielten. Dennoch haben die Untersuchungen ergeben, dass erhebliche Fehleinschätzungen vorlagen, die nicht mit dem geltenden Verhaltenskodex vereinbar waren», so LafargeHolcim.

Das damalige Werk von Lafarge in Syrien arbeitete in dem fraglichen Zeitraum mit Verlust und trug weniger als 1 Prozent zum Konzernumsatz bei. Als Folge der internen Prüfung und ihrer Ergebnisse hat der Verwaltungsrat verschiedene Massnahmen getroffen. Zunächst hat der Verwaltungsrat die Bildung eines neuen Ethik-, Integritäts- und Risikoausschusses genehmigt, der unter der Aufsicht eines Mitglieds des Executive Committees steht. Mit der Unterstützung externer Berater und zur Verstärkung von in den letzten Jahren bereits ergriffenen Massnahmen wurde sodann folgendes angeordnet: Die Einführung eines strikteren Risikobewertungsverfahrens, mit Schwerpunkt vor allem auf risikoreichen Geschäftsbeziehungen und Joint-Venture-Partnern, die Einführung eines «Restricted Party Screening»-Programms, die Einführung eines neuen Sanktions- und Exportkontrollprogramms sowie weitere Massnahmen, die sich aus einem durchgeführten Benchmarking ergeben haben. Der Verwaltungsrat hat das Management instruiert, konsequent für eine auf Best-Practice-Verfahren beruhende Compliance-Organisation zu sorgen und diese mit entsprechenden Ressourcen weiter zu verstärken. Er stellt klar, dass es im Hinblick auf die Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und den im Verhaltenskodex verankerten Standards keine Kompromisse geben darf, gleich welcher Art die betrieblichen Herausforderungen sind. Die heute vorliegenden Informationen lassen nicht darauf schliessen, dass die genannten Vorwürfe einen wesentlichen nachteiligen Einfluss auf die Finanzlage des Konzerns haben werden. Im Zusammenhang mit den geschilderten Aktivitäten wurde in Frankreich über Strafanträge berichtet. Derartige Verfahren unterliegen der Geheimhaltungspflicht. «Weder Lafarge SA noch irgendeine Tochtergesellschaft sind Partei in diesen Verfahren. Das Unternehmen wird die Erkenntnisse oder das Verhalten von einzelnen Personen nicht weiter kommentieren», endet die Medienmitteilung. 


Schweizer Bauwirtschaft 7/8 2017 vom 20. Juli 2017

Die Themen der aktuellen Ausgabe:

Building Award:  Warum nicht ein Grossprojekt prämiert wurde.

Technik: Wenn mit Robotern und 3D-Druckern gebaut wird.

Unternehmensführung: Aufgepasst auf die Änderung der Mehrwertsteuer.

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