Der grösste Schweizer Baukonzern erklärt Nachhaltigkeit zu einem zentralen Teil seiner Wachstumsstrategie – und präsentiert seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht. In der Pipeline sind gleich vier Pilotprojekte im Hochbau. Für die Ausbildung von entsprechend geschulten Fachkräften hat Implenia eine interne Akademie geschaffen.

Anton Affentranger, CEO von Implenia, und Markus Koschenz, Projektleiter Nachhaltigkeit, setzen ganz auf die Nachhaltigkeit. Fotos: sbw
Implenia hat Grosses vor: Der grösste Schweizer Baukonzern peilt nicht nur weiterhin einen Umsatz von 100 Millionen Franken an, sondern er möchte auch ein Pionier in Sachen Nachhaltigkeit sein. Erstes Resultat dieser Bemühungen: der Nachhaltigkeitsbericht, der an der Medienkonferenz der Halbjahresbilanz als Premiere vorgestellt wurde.
Dabei betont Implenia-CEO Anton Affentranger, dass das Unternehmen nicht aus einem Trendbewusstsein auf die «Modeströmung Nachhaltigkeit» setze, sondern aus tiefer Überzeugung. «Nur nachhaltige Unternehmen sind zukunftsfähig», unterstreicht Affentranger. Das neue Bewusstsein zeige sich auch bereits bei den Kunden. Denn diese würden ebenfalls vermehrt nachhaltige Bauten wünschen.
Damit «Nachhaltigkeit» konkret fassbar wird, hat Implenia ein firmeneigenes Instrument zur Bewertung von Bauvorhaben entwickelt: «GeNab». Die Abkürzung steht für Gesamtbewertung Nachhaltiges Bauen und besteht aus 18 Kriterien; neben Energiefragen werden auch soziale, wirtschaftliche und standortbezogene Aspekte abgeklärt. Bei Eigenentwicklungen hat Implenia das Instrument schon im vergangenen Jahr angewendet. Nun soll «GeNab» ausgebaut und künftig konsequent verwendet werden. Im Hochbau sind vier Pilotprojekte aufgegleist. Eines davon ist die Wohnsiedlung «schorenstadt» in Basel. Hier entstehen zwei Mehrfamilienhäuser und 43 Reiheneinfamilienhäuser nach den Kriterien einer 2000-Watt-Gesellschaft. In drei Jahren sollen die ersten Mieter einziehen. Für die Projektentwicklung wurde Implenia mit dem «Real Estate Award» ausgezeichnet.
Die Entwicklung von nachhaltigen Bauprojekten und anderen Produkten ist jedoch nur einer der insgesamt fünf Schwerpunkte im Nachhaltigkeitskonzept der Implenia. Ein anderer Bereich ist die Schaffung eines attraktiven Arbeitsumfeldes – und dazu gehört auch das Talent-Management. Um entsprechend ausgebildete Fachleute zur Verfügung zu haben, hat der Baukonzern eine eigene Implenia-Akademie gegründet, die sogenannte Icademy. Bereits haben die ersten Mitarbeiter die Ausbildung in Angriff genommen. Zusammen mit der Hochschule Luzern hat Implenia zudem einen Certificate-of-Advanced-Studies-Lehrgang im Bereich Baukostenplanung lanciert.
Ein dritter Bereich beinhaltet den Umgang mit der Umwelt. Implenia hat 75 Lastwagenfahrer im ökologischen Fahren geschult – und damit den CO2-Ausstoss um 300 Tonnen im Jahr senken können. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für das Portemonnaie: Denn dank der sparsameren Fahrweise konnten 120 000 Liter Diesel eingespart werden. Künftig will Implenia auch in der Asphalt-Produktion erneuerbare Energien einsetzen und so Ressourcen schonen.
Weitere Schwerpunkte betreffen das gesellschaftliche Engagement sowie das Sicherstellen der Weiterentwicklung. Bei Ersterem ist das Ziel, einen entsprechenden «Code of Conduct» als Teil der Unternehmenskultur festzulegen. Bei Letzterem geht es darum, nachhaltig einen finanziellen Wert zu schaffen. Auch hier kann Implenia bereits einen Erfolg vorweisen: Das Unternehmen hat den Kempen-SRI-Universe-Standard erreicht. Das ist ein Gütesiegel für europäische Unternehmen, die ein beispielhaftes Engagement für Mitarbeitende, Gesellschaft und Umwelt an den Tag legen.
Mit dieser Auszeichnung sei es nun aber nicht getan, sagt Anton Affentranger: «Wir wollen uns laufend weiter verbessern.» Geplant ist zum Beispiel, auch die Anforderungen an die Lieferanten anzupassen, festzulegen und dann zu überprüfen. Allgemein hat sich das Thema Nachhaltigkeit im Tief- und Infrastrukturbau bisher weniger etabliert als im Hochbau-Sektor. Doch auch hier hat Implenia vor, mit konkreten Projekten das Thema einzubringen. «Das ist die Stossrichtung, zu der wir uns in allen Bereichen committen», hält Affentranger fest.
Denn die Baubranche habe auch eine gesellschaftliche Verantwortung, betont Affentranger. Mit insgesamt 55 Milliarden Franken Umsatz ist die Baubranche nach dem «Staat» die grösste Industrie in der Schweiz – insofern beeinflusse das Verhalten der Branche die Zukunft des Landes in einem beträchtlichen Ausmass. Wirtschaftlich gesehen ist die Branche auf Kurs: Implenia beispielsweise erwartet für das Geschäftsjahr 2012 erneut einen Rekordgewinn. Bereits zur Jahreshälfte waren 94 Prozent des Jahresumsatzes gesichert in den Büchern, wie Finanzchef Beat Fellmann an der Konferenz zum Halbjahresergebnis in Dietlikon ZH verkündete.
Die «Schweizer Bauwirtschaft» hat Markus Koschenz, Projektleiter Nachhaltigkeit von Implenia, zum erstmals erschienenen Nachhaltigkeitsbericht befragt.«
Schweizer Bauwirtschaft»: Wie erklären Sie einem mittelständischen Schweizer Bauunternehmer, was ein Nachhaltigkeitsbericht bringt?
Markus Koschenz: Die Arbeit an diesem Bericht hat uns dabei geholfen, uns Gedanken zu machen, wo wir heute stehen und wo wir noch Potenzial haben. So haben wir uns auch Klarheit darüber verschafft, was hinsichtlich einer nachhaltigen Unternehmensstrategie und Unternehmensführung bei Implenia bereits vorhanden ist. Im Rahmen dieser Standortbestimmung haben wir fünf Schwerpunkte der Nachhaltigkeit für Implenia definiert: Produkte und Dienstleistungen, Arbeitsumfeld, schonender Umgang mit der Umwelt, gesellschaftliches Engagement und Regelkonformität («Compliance») sowie finanzielle Exzellenz. Daraus wurden Ziele abgeleitet, an deren Erreichung wir nun intensiv arbeiten.
Picken wir einen Punkt aus dem Schwerpunkt «Produkte und Dienstleistungen» heraus: Wie wirkt sich Ihre Nachhaltigkeitsstrategie beispielsweise auf Ihre Lieferanten aus?
Koschenz: Wir haben Kunden, die explizit nachhaltige Gebäude bei uns bestellen. Uns ist es deshalb wichtig, dass wir mit unseren Lieferanten frühzeitig fürs Projekt massgeschneiderte Lösungen, also Unternehmervarianten, erarbeiten können.
Nun hat CEO Anton Affentranger angetönt, dass bei einer Verschlechterung des Wechselkurses Franken/Euro der Einkauf von Implenia vermehrt im Ausland stattfinden könnte. Wie verträgt sich dies mit Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?
Koschenz: Auch wenn wir ausländische Produkte beschaffen, stellen wir unsere Anforderungen bezüglich Nachhaltigkeit.
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