Atomkraft, ja oder nein? Mehr Solarenergie und Wasserkraft? Der wahre Schlüssel zur Energiezukunft liegt bei den Baumeistern. Denn die Hälfte des gesamten Energiepotentials der Schweiz steckt in den Gebäuden.
Die Schweiz verbraucht jährlich 250 Terawattstunden (TWh/a) an elektrischer und fossiler Energie. 10 % davon oder rund 25 TWh/a liefern die fünf Kernkraftwerke (KKW). Bei der Energiewende stehen drei Themen im Vordergrund: Die Solarförderung soll ca. 12 TWh/a erbringen, die Kleinwasserkraftwerke rund 1,5 TWh/a und der KKW-Bau um 8 TWh/a. Alle drei Varianten brächten keinen wirklichen Quantensprung. Doch das mit Abstand grösste Energiepotential beträgt mindestens 125 TWh/a pro Jahr – also das Zehnfache. Und der Schlüssel dazu liegt bei den Baumeistern …
Das grösste Energiepotential von 125 TWh pro Jahr betrifft die 1,64 Mio. Gebäude mit gut 4,1 Mio. Wohnungen. Seit Einführung des Minergie-P-/Passivhausstandards 2003 erstellt die innovative Gebäudebranche – bei vollem Komfort – stets energieeffizientere Wohn- und Geschäftsbauten; ja die PlusEnergieBauten (PEB) erzeugen durch einfache solare Dach- und Fassadennutzung nicht nur 100 % des Warmwasser- und Heizungs- inklusive Strombedarfs: Im Durchschnitt weisen sie eine Eigenenergieversorgung (EEV) von über 200 % aus; d. h. 100 % mehr Energie als Stromüberschuss fürs Netz. 2011 lag die EEV bei 225 % und 2012 über 255 %, d. h. 155 % Stromüberschuss fürs Netz. Wie ist dies möglich?
Der Bundesrat bestätigte am 24. November 2010, dass der Schweizer Energiebedarf allein mit dem Minergie-P-Baustandard «um 80 %, d. h. bis 90 TWh/a pro Jahr gesenkt werden» kann; wobei PEB noch nicht berücksichtigt sind. Das Geheimnis liegt in der Minergie-P-Gebäudehülle. Sie reduziert 85 % der durchschnittlichen Energieverluste; d. h. jährlich rund 105 der 125 TWh/a, die heute laut OECD von Gebäuden konsumiert werden. Für den vollen Komfort aller Wohn- und Geschäftsbauten reichen längerfristig 20 bis 25 TWh/a.
Fazit: Decken unsere Gebäude bloss 100 % des Gesamtbedarfs, können sie jährlich mindestens 125 TWh/a substituieren – also mindestens 10 bis 12 Mal mehr, als heute offiziell zur Diskussion steht. Mit den Stromüberschüssen kann sogar ein erheblicher Teil des Individualverkehrs emissionsfrei betrieben werden. Entsprechend sinken nicht nur die CO2-Emissionen, sondern auch die jährlichen Ausgaben von 10 bis 12 Milliarden Franken für fossil-nukleare Energieimporte aus den arabischen Ländern und Russland. Dafür steigt die Zahl der Aufträge und Arbeitsplätze. Welche Branche kann Vergleichbares vorweisen?
Mit Minergie-P-, Ersatzneubauten und PEB kann die Schweiz bei einer Gebäude- Sanierungsrate von 2 % (2 % von 125 TWh/a ≈ 2,5 TWh/a) jährlich 2,5 TWh/a substituieren: in 10 Jahren sind es 25 TWh/a – etwa gleich viel wie Stromerzeugung aller fünf Schweizer AKW. Die innovativen Baumeister wird Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am 19. Oktober 2012 in Spreitenbach AG mit dem Schweizer Solarpreis auszeichnen.
Gallus Cadonau
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