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19.09.12  |   Curt M. Mayer

Kranballett mit 24 Hauptdarstellern

Bis zu zwei Dutzend Hochbaukräne standen zu den Spitzenzeiten beim Rohbau des städtebaulichen Grossprojekts auf dem Richti-Areal in Wallisellen ZH im Einsatz. Die für Projektentwicklung und -Realisierung verantwortliche Generalunternehmung Allreal hat dabei den für den Rohbau zuständigen Bauunternehmungen ein übergeordnetes Konzept für die Kranlogistik vorgegeben.

Auf dem 65000 m2 Baufläche messenden Areal der Richti-Grossüberbauung in Wallisellen mit einem Raumvolumen von annähernd 300 000 m3 stehen bis zu zwei Dutzend Hochbaukrane gleichzeitig im Einsatz.


Eines der vielseitigsten städtebaulichen Grossprojekte der jüngsten Zeit in der Schweiz nimmt auf dem sogenannten Richti-Areal in Wallisellen ZH Gestalt an. Nach einem einheitlichen Gesamtplan realisiert Allreal einen ganzen Stadtteil mit Wohnraum für rund 1200 Personen sowie über 3000 Arbeitsplätzen und tätigt dafür Gesamtinvestitionen von rund 700 Millionen Franken. Das gesamte Raumvolumen wird in sechs sechsgeschossigen Blockrandüberbauungen und einem 18-stöckigen Hochhaus umgesetzt, deren Bezug 2013/14 erfolgen wird. Die Gliederung und der Bauablauf unterteilen sich in sieben Baufelder einschliesslich des Hochhauses. Gewaltig sind die Ausmasse des Geländes  und die beim Bau zu bewältigenden Kubaturen: So erreicht die bebaute Fläche des Areals 64500 Quadratmeter und die gesamte Baukubatur erreicht 300000 Kubikmeter. Dabei entstehen 200 Miet- und 300 Eigentumswohnungen sowie Raum für 3000 Büro- und Gewerbearbeitsplätze.

Zwei Dutzend Turmdrehkrane sichern Baulogistik

Von den bis zu 24 im Einsatz stehenden Kranen handelte sich je zur Hälfte um Unterdreher respektive Topless-Typen. Bei Bedarf kamen vorübergehend Selbstaufsteller-Krane und für Schwerlasttransporte Autokrane bis zu 400 Tonnen zum Einsatz. Die Grundlagen zur komplexen Kranlogistik auf der grössten privaten Baustelle der Schweiz wurden von Roger Garatti, Projektleiter Infrastruktur Richti-Areal bei Allreal, erarbeitet. Im Rahmen einer Diplomarbeit für seine Weiterbildung zum Projektleiter VSGU hat er die Rahmenbedingungen bis ins Detail für die Kraneinsätze der sieben Baufelder definiert. Wie er im Gespräch mit der "Schweizer Bauwirtschaft" erläutert, sind für die Verantwortlichen der vier für den Rohbau zuständigen Bauunternehmungen Feldmann AG, Baltensperger AG, Anliker AG und Barizzi AG in einer 3D-Simulation die Kranbewegungen aufgeführt. Dabei basiert die Gesamtstudie auf einer vorhandenen Kransoftware. Berücksichtigt sind alle einschlägigen Vorschriften, wie eidgenössische Kranverordnung, Sicherheits- und  Baupolizeiverordnungen sowie die Eckdaten aller eingesetzten Krane.

Die Krane stehen grösstenteils in den Innenhöfen der Blockrandbauten oder in den Kernen der sechsgeschossigen Gebäude. Die Typenauswahl erfolgte durch die Bauunternehmungen unter Berücksichtigung des Aktionsradius und der erforderlichen Hubleistung. Dies führte dazu, dass praktisch nur neue Krane verschiedenster Fabrikate mit hoher Leistung eingesetzt werden. Bereits in der vorgängigen Logistikplanung wurde definiert, dass keiner der zwei Dutzend eingesetzten Turmdrehkrane im Strassenbereich stehen durfte, da diese für die umfangreichen Transporte zu und von den Baustellen frei zu halten sind. Weiter wurden bereits zu Beginn die Kranstandorte - welche zum Teil durch die Bauunternehmungen noch angepasst worden sind - systematisch entsprechend den jeweiligen Baufeldern durchnummeriert.

Hohe Leistungs- und Sicherheitsstandards erfüllt

Sicherheitsvorgaben wurden von der SBB - aufgrund der Nähe zu einem Rangiergleis - hinsichtlich der Fallwinde und der Auswirkungen eines Kranumsturzes gemacht. Bei dem für das Allianz-Hochhaus eingesetzten Hochbaukran mit einer maximalen Hakenhöhe von 80 Metern waren wegen der Flugsicherheit auch die Vorgaben des Bundesamtes für Zivilluftfahrt zu berücksichtigen. Die Aktionsradien der Krane sind gemäss Garatti genau definiert. Dazu sind die Krane auf unterschiedlichen Höhen aufgebaut, so dass sich die Ausleger nicht in die Quere kommen. Mit dem Baufortschritt auf den einzelnen Baufeldern müssen auch die Monatspläne für die Kraneinsätze laufend überarbeitet werden. Auf die Frage nach den  grössten Herausforderungen und allfälligen kritischen Situationen kann Roger Garatti von einem weitgehend reibungslosen Kranbetrieb berichten: "Nur einmal musste bisher wegen zu hoher Windgeschwindigkeiten der gesamte Kranbetrieb eingestellt werden." Weil fast ausschliesslich neue Krane im Einsatz stehen, war bisher kein grösserer Ausfall zu verzeichnen, da allfällige Reparaturen im Rahmen normaler Revisionen erledigt werden konnten. Bereits im der Vorbereitungsphase wurden Monatspläne für den Bauablauf und den Kraneinsatz, aber auch die Einzelheiten der Montage und der späteren Demontage der einzelnen Krane definiert.