Motivierte Lehrlinge, ein zufriedener Lehrmeister und ein top Arbeitsklima: Marti Zürich investiert viel Kraft, Zeit und Geld in seine Lehrlinge und hat damit viel Erfolg. In der Baubranche gilt Marti Zürich als Vorzeigebeispiel in Sachen Ausbildung. Weshalb dem so ist? Die «Schweizer Bauwirtschaft» hat die Marti-Lehrlinge besucht.
Auch kritische Nachfragen ändern nichts an der Meinung der Marti-Lehrlinge: «Die Ausbildung bei Marti Zürich ist super», sind sich Christian Aeschlimann und David Castro Vaz einig. Zusammen mit 23 anderen Lehrlingen (17 Maurerlehrlinge, drei Industrie- und Unterlagsbodenbauer, ein Grundbauer und zwei Baumaschinenmechaniker) absolvieren sie derzeit die Maurerausbildung bei Marti Zürich. Sind stolz, hier lernen zu dürfen, loben ihren Arbeitgeber, sagen: «Hier einen Beruf zu erlernen, ist top.» Denn Aeschlimann weiss: «Ich kenne einige Lehrlinge, die hauptsächlich den Handlanger spielen müssen. Das ist bei uns total anders: Wir müssen und dürfen alles machen und haben so die Möglichkeit, alles von Grund auf richtig zu erlernen.»
Nichts bei der Lehrlingsausbildung ist bei Marti dem Zufall überlassen. Um eine optimale Ausbildung zu garantieren, setzt Marti Zürich auf ein ausgeklügeltes Ausbildungskonzept. Im Zentrum steht dabei eine „Baustelle in einer Baustelle“. Seit zwölf Monaten ist dies ein Teilbereich der Baustelle WestLink nördlich Bahnhof Zürich Altstetten, wo auf dem über 23 000 m² grossen SBB-Areal ein Geschäfts-, Wohn- und Freizeitraum gebaut wird. Dort haben die Lehrlinge ihren eigenen Bereich und müssen eigenständig 12 000 m2 Mauerwerk erstellen. Beaufsichtigt werden sie dabei von ehemaligen Marti-Lehrlingen.
Der Clou dabei: Die Lehrlinge und ehemaligen Lehrlinge müssen selbst funktionieren und die vorgegebene Aufgabe qualitativ top und in der vorgegebenen Zeit erledigen. «Dies bringt allen < total viel >. Den Lehrlingen, weil sie selbst wie ein Maurer zupacken müssen, und den ausgelernten Lehrlingen, weil sie Verantwortung übernehmen müssen und optimal auf ihre Rolle als Polier vorbereitet werden», sagt Tobias Müller, 26, ehemaliger Marti-Lehrling und jetzt einer der Lehrlings-Mitbetreuer auf der Baustelle in Altstetten. Seit acht Jahren ist er bei Marti Zürich, hat problemlos die Lehre durchlaufen, sich profiliert und ist jetzt mitten in der Ausbildung zum Vorarbeiter.
Treibende Kraft hinter dem Marti-Erfolgsrezept ist Ueli Niederberger. Vor sieben Jahren ist er zum Unternehmen gestossen als verantwortlicher Leiter des Lehrlingswesens. Die Stelle wurde damals neu geschaffen. Und in den sieben Jahren hat er das Lehrlingswesen überarbeitet und ausgebaut. Heute werden fünfmal mehr Lehrlinge bei Marti Zürich ausgebildet als noch vor sieben Jahren. Sein Geheimrezept: «Die Jungen wollen ernst genommen werden, dann sind sie auch zu aussergewöhnlichen Leistungen bereit.»
Niederberger, gelernter Maurer, Polier und Bauführer, hat – wie er betont – bei Lerch in Winterthur selbst auch eine sehr gute Ausbildung genossen. «Ich konnte von meinem Lehrmeister viel profitieren.» Gerade deshalb – weil er es selbst gut hatte und weiss, wie wichtig es ist, als Lehrling unterstützt zu wer-den – «ist es mir sehr wichtig, den Jungen bei Marti Zürich eine optimale Ausbildung zu bieten».
In den sieben Jahren hat er über 70 Lehrlinge betreut. Er kennt seine Lehrlinge, weiss alle Personalien auswendig, ist genaustens über alles informiert. Wie sehr die ehemaligen und jetzigen Lehrlinge Niederberger respektieren, zeigt sich auf der Baustelle in Altstetten. Sie grüssen ihn höflich, folgen seinen Anweisungen ohne zu zögern und geben sich in seiner Anwesenheit natürlich und unbekümmert. «Egal wo wir ein Problem haben, wir können immer zu Herrn Niederberger gehen und mit ihm eine Lösung suchen», sagt Aeschlimann.
Es ist Mittwochnachmittag auf der Baustelle WestLink. Sieben Lehrlinge arbeiten heute hier. Geführt werden sie von Pierangelo Schiavano, 26, und Tobias Müller, 26. Die Stimmung ist gut. «Das ist immer so», sagt dann Schiavano und ergänzt: «Das heisst aber nicht, dass die Ausbildung bei Marti Zürich locker ist. Im Gegenteil: Es wird schon viel von uns und den Jungen gefordert, aber das ist gut so.» Er weiss, wovon er spricht: Vor sechs Jahren begann er bei Marti Zürich zu arbeiten. Anfänglich wollte er eigentlich nur – so zum Zeitvertreib und als Handlanger – auf dem Bau Geld verdienen. Niederberger konnte Schiavano aber für den Maurerberuf faszinieren. Schiavano begann mit der Maurerlehre und schloss diese erfolgreich ab. «Herr Niederberger hat sogar erreicht, dass ich mir ernsthaft überlege, Polier zu werden», sagt Schiavano. Derzeit besucht er die Vorarbeiter-Schule: «Und es macht super Spass.» So viel, dass er zusammen mit anderen ehemaligen Marti-Lehrlingen die aktuellen Maurer-Lehrlinge betreut.
Der Aufwand, der bei Marti für die Lehrlinge betrieben wird, ist immens. Doch der Aufwand lohnt sich. «Wir haben zahlreiche angehende und ausgebildete Poliere, die bei uns ihre Ausbildung gemacht haben.» Einer davon ist Dominic Mozzetti, 28. Er ist das, was man einen Vorzeige-Polier nennt. Kompetent, pflichtbewusst, seriös und alles der Sicherheit unterstellend. Natürlich – gesteht Niederberger – durchlaufen nicht alle Lehrlinge die Ausbildung problemlos. Natürlich käme es auch bei Marti Zürich zu regelmässigen Lehrabbrüchen. «Aber Probleme, die man beheben kann, versuchen wir zu beheben.» Davon hat es bei den Lehrlingen genügend, weiss Niederberger, vor allem persönliche: «Die Zeit von 16 bis 20 Jahre ist für die Jugendlichen eine sehr aufwühlende, intensive und strenge Zeit. Wenn die Jungen bei uns mit der Ausbildung beginnen, sind sie noch Jungs, wenn sie fertig sind – Männer –, und in den drei Jahren dazwischen passiert viel, – sie haben ihre erste richtige Freundin, machen eine extreme körperliche Entwicklung durch, nabeln sich allmählich von den Eltern ab.» Für einige Jugendliche sei dies «zu viel». Und genau da sei es enorm wichtig, «dass wir als Lehrmeister für die Lehrlinge da sind, sie unterstützen».
Niederberger fordert von den Jungen aber auch ihren Teil. «Ich muss merken, dass die Jungen wirklich die Lehre abschliessen wollen, der Einsatz muss stimmen und auch die Umgangsformen.» Dass dem so ist, darauf achtet Niederberger bereits bei den Bewerbungen. «Mir ist der erste Eindruck, den ein Jungendlicher auf mich macht, und sein Auftreten in der Schnupperlehre sehr wichtig.» Eine Chance, bei Marti Zürich nach der Lehre zu bleiben, haben die Jungen, die mindestens eine 4.5-Note beim Abschluss haben und «das umsetzen, was uns so wichtig ist: Eine qualitativ hochstehende, gute Arbeit abzuliefern und den Willen zu haben, ein Teil zu sein, in einem harmonisch funktionierenden Team», wie Niederberger sagt.
Vom Vorurteil, dass «die Jungen heute nicht mehr allzu viel zu bieten hätten», distanziert sich Niederberger. «Die Jungen sind nicht besser und schlechter als früher.»Der Erfolg gibt Niederberger Recht: Als Höhepunkt seiner bisherigen Tätigkeit bei Marti Zürich hat Niederberger vor einem guten halben Jahr vom Baukader Schweiz den Cadre d’Or erhalten. «Die grösste Belohnung ist aber, wenn ich sehe, wie sich meine Lehrlinge entwickeln und zu kompetenten, pflichtbewussten Handwerkern heranreifen», sagt Niederberger.
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