SBV aktuell
31.05.12  |  

Kalter Februar bremst Bautätigkeit kurzzeitig

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal bedingt durch die Kältewelle im Februar nominell um 14,3% gesunken. Vom Rückgang betroffen sind sowohl der Hochbau (-12,4%) als auch der Tiefbau (-16.2%). Vergleichsweise gering war das Minus beim Wirtschaftsbau (-9,1%). Die Auftragseingänge (+5,8%) im ersten Quartal sowie die Bauvorhaben (+8,3%) für das laufende, zweite Quartal 2012 stimmen optimistisch für das Sommerhalbjahr. Dies geht aus der neusten Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) hervor. Sie basiert auf einer Erhebung bei 1610 Baufirmen.

Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe betrugen im ersten Quartal 2012 3,2 Mrd. Franken, 14,3% weniger als im milden Vorjahresquartal. An Aufträgen mangelte es zwar nicht, der Kälteeinbruch Ende Januar verunmöglichte das Bauen aber vielerorts just in dem Moment für mehrere Wochen, als der Baubetrieb nach der Weihnachtspause wieder aufgenommen werden sollte. In höheren Lagen schob darüber hinaus die dicke Schneeschicht den Spatenstich mancher Bauprojekte bis weit in den Frühling hinein. Für die meisten Baufirmen war diese Durstrecke aber verkraftbar: Sie sind sich saisonale Schwankungen gewohnt und planen entsprechend. Das erste Quartal ist im Bauhauptgewerbe zudem jeweils das klar schwächste des Jahres.

Guter Sommer vor der Tür

Die Aussichten für das Sommerhalbjahr werden durch das schwache erste Quartal nicht getrübt: Die Arbeitsvorräte sind gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,8% gestiegen und die Baufirmen planen im zweiten Quartal 2012 8,1% mehr zu bauen als im Vorjahr. Zumindest kurzfristig sollte sich auch die Annahme der Zweitwohnungsinitiative nicht allzu negativ auf die Bautätigkeit auswirken. In der langen Frist hängt es von der konkreten Umsetzung der Initiative ab, wie hart die Baufirmen in den Berggebieten getroffen werden.

Wirtschaftsbau vor Trendwende?

Positiv überrascht nach langer Durststrecke der Wirtschaftsbau: Zwar war bei auch hier bei der Bautätigkeit witterungsbedingt ein Minus von 9,1% zu verzeichnen, aber die Auftragseingänge im ersten Quartal (+18,6%) und die Bauvorhaben für das zweite Quartal (+16,2%) haben sich deutlich überdurchschnittlich entwickelt und lassen für die nahe Zukunft hoffen. Noch ist es aber wohl zu früh, um nach Jahren des Rückgangs von einer eigentlichen Trendwende zu sprechen.

Wohnungsbau auf hohem Niveau konstant

Auch der Wohnungsbau wurde von der kalten Witterung gebremst; die Umsätze sanken um 12%. Die Aussichten sind aber intakt: Sowohl die Auftragseingänge (+1,1%) als auch die Bauvorhaben für das zweite Quartal 2012 (+0,1%) sind praktisch gleich wie vor einem Jahr. Das stetige Wachstum der letzten Jahre scheint langsam ein Ende zu finden und die Wohnbautätigkeit auf hohem Niveau zu konsolidieren. Ein Rückgang ist aber vorerst nicht zu erwarten.

Tiefbau stabil

Bei eisigen Temperaturen ist gerade der Strassenbau kaum mehr möglich. Daher überrascht der starke Rückgang der Bautätigkeit um 16,2% kaum. Trotzdem zeigt sich der Tiefbau stabil: Die Auftragseingänge haben sich kaum verändert (+1,3% im Vergleich zum Vorjahresquartal). Erfreulich haben sich zudem die Bauvorhaben für das laufende Quartal mit einem Plus von 11,6% entwickelt. Diese dürften aber auch bis zu einem gewissen Grad einen Nachholbedarf nach dem harten Februar widerspiegeln.

Stabile Beschäftigungssituation

Der letztjährige Rückgang der Zahl der Festangestellten hat sich im ersten Quartal nicht fortgesetzt: Ende März resultiert gegenüber dem Vorjahr sogar ein leichtes Plus von 1.6%. Auch bei den besetzten Lehrstellen hat sich die Situation etwas entspannt. Etwa 4600 Lehrende werden in den Betrieben des Bauhauptgewerbes ausgebildet, knapp 3% mehr als vor einem Jahr.

Die Konjunktur- und Beschäftigtenzahlen wurden mittels Hochrechnung ermittelt. Dank der hohen Abdeckungsquote von 59.2% (Beschäftigungszahlen) resp. 54.7% (Konjunkturdaten) - gemessen an der SUVA-Lohnsumme im Bauhauptgewerbe, welche alle Betriebe umfasst - ist die Aussagekraft der Konjunkturdaten hoch. Da das Bauhauptgewerbe starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden jeweils die Quartale des Vorjahres als Vergleichsgrösse herangezogen.