In die Höhe bauen – auf schlickigem Grund

Verdichtung lautet aktuell das Motto, und wie das geht, demonstriert derzeit Hamburg mit dem grössten europäischen innerstädtischen Verdichtungsmodell. Seit 2001 entsteht mit dem Stadtteil HafenCity in unmittelbarer Nähe zur historischen Speicherstadt ein Projekt der Superlative. Bis in die 2030er Jahre entstehen auf dem ehemaligen Hafen- und Industrieareal über 7500 Wohnungen sowie Büro- und Dienstleistungsflächen für 730 Unternehmen und 45 000 Arbeitsplätze. Ein Park mit Rodelberg, ein Einkaufszentrum und weitere Angebote für die Freizeitgestaltung werden ebenfalls erstellt. Das bekannteste Bauwerk bisher ist die 2017 eröffnete Elbphilharmonie. Bereits laufen die Vorbereitungsarbeiten für den Bau des nächsten spektakulären Projektes, des Elbtowers, der mit 244 Meter das dritthöchste Gebäude Deutschlands sein wird. Der Spatenstich soll 2021 erfolgen, die Fertigstellung ist bis 2025 geplant.

Pfähle im Schlick

Das Problem ist beim Projekt der Baugrund. Aufgrund tiefreichender bindigen Bodenschichten ist der Untergrund wenig tragfähig. Dagher muss die Bauwerkslast in den Untergrund und somit in tieferliegende, tragfähigere Bodenschichten abgeleitet werden. Was bedeutet: Es wird gepfählt. Aktuell wurden die ersten Probephähle in Tiefen von bis zu 111,4 Metern Tiefe und einem Durchmesser von 1850 Millimeter hergestellt. So lange Pfähle kommen sehr selten zum Einsatz, in Deutschland noch nie. Aufgrund der enormen Tiefe muss mit einer Suspensionsstützung gearbeitet werden. Die Wände des Bohrlochs sind somit ausschliesslich durch den Flüssigkeitsüberdruck gegen den Einbruch der Bohrlochwandung gesichert. Nach dem Erreichen der geplanten Bohrtiefe wird zunächst die Suspension entsandet und ein Bewehrungskorb eingebaut. Anschliessend wird Beton über ein Rohr von unten nach oben in die Bohrung eingefüllt, wodurch die Suspension nach oben aus dem Bohrloch verdrängt und für die Weiterverwendung abgepumpt wird. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Pfahlprüfung in Pfahlfussnähe über eine sogenannte Osterbergzelle erfolgt. Dabei handelt es sich um Hydraulikstempel, die in den Bewehrungskorb integriert sind und den Pfahl «von unten» belasten.

Nach den vielversprechenden Tests sollen die eigentlichen Gründungsarbeiten 2020 erfolgen. Die Länge der Pfähle kann variieren, gut möglich, dass sie die bisherigen 111,4 Meter überschreiten wird.