Sanierung und Erweiterung der Ermatinger Stedi

Am Tag der Thurgauer Bauwirtschaft informierten sich 120 Politiker, Architekten, Ingenieure und Baumeister über das «Wasserbauprojekt Sanierung und Erweiterung Stedi» in Ermatingen.

«Das Ziel dieses Informationstages ist es, ihnen unsere Tätigkeit etwas näher zu bringen, denn die Thurgauer Bauwirtschaft ist täglich für sie alle im Einsatz», begrüsste Kantonsrat und Präsident des Thurgauischen Baumeister-Verbandes Mathias Tschanen die zahlreichen Gäste in der alten Woogi-Halle. «Wir stehen ein für die Marke Thurgau und auch unser Motto lautet: Aus der Region für die Region. Wir bringen ihnen Ressourcen aus unseren Kiesgruben und helfen ihnen bei der Deponierung von Wertstoffen, wie Aushubmaterial und Rückbaustoffen», sagte Tschanen. Er wies darauf hin, dass wer die Thurgauer Baumeister berücksichtige, versichert sein könne, Produkte wie Holz aus den Thurgauer Wäldern, Beton mit Kies aus den Kiesgruben des Kantons oder aus dem Bodensee zu erhalten. Das Projekt der Stedi in Ermatingen bezeichnete Tschanen als Leuchtturmprojekt der Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Über sechs Millionen Franken

Gemeindepräsident Urs Tobler beleuchtete das Projekt aus der Sicht des Bauherrn und blickte zurück auf die lange Geschichte des Fischerdorfes Ermatingen, das von Pfahlbauern besiedelt wurde und dessen Gründung ins Jahr 724 zurückgeht. Die 1913 erbaute Stedi sei eine hervorragende Baumeisterleistung, entstanden auf Seekreide und Pfählen. Das Projekt «Fernsicht» der Planimpuls Ingenieure AG aus Kreuzlingen habe die Jury vor drei Jahren überzeugt und die Stimmbürger bewogen, im vergangenen Jahr einen Kredit von 6.731 Millionen Franken für die Sanierung gutzuheissen. Geschäftsführer Reto Mästinger von der Planimpuls hob hervor: «Wer Ziele anstrebt, wird nicht so schnell vom Weg abkommen». Er zeigte den Werdegang des Projektes von der Ausgangslage bis zur eigentlichen Realisation auf. Das Projekt von Planimpuls nennt er einen stimmungsvollen Begegnungsort an einmaliger Lage und mit einem hohen Nutzungskomfort für alle. «Wir haben die Stedi aufgeteilt in eine Hafenanlage, eine Erweiterung des Steges Ost und die Stedi selbst in verschiedene Nutzungsflächen und einer Ruhezone mit Sicht nach Westen», führte Mästiger aus. Nach einer Verzögerung von sechs Wochen im Zusammenhang mit dem Wasserstand sind die Arbeiten seit dem 5. August wieder im Gange und man hofft auf eine Fertigstellung im Herbst 2020.

Wasser gern haben

Stefan Geiges legte namens der Arbeitsgemeinschaft Geiges/Herzog/Wellauer die zahlreichen Herausforderungen dieser Baustelle dar. Von grosser Wichtigkeit nannte er das Zusammenspiel zwischen der Gemeinde als Bauherr, vertreten durch Gemeinderat Hans-Ulrich Hug. Menschen, welche eine solche Idee aufnehmen und umsetzen und die Macher vom Baugewerbe. Auf diese ist er stolz und sein Motto lautet: «Wer auf einer solchen Baustelle arbeitet, muss das Wasser gern haben». Geiges wies auf die fünf diesbezüglich wichtigsten Herausforderungen hin. Die erste, wenn man 200 Kubikmeter Material für eine Baupiste in den See schütte, immer noch nichts sehe und weiter schütten müsse ohne aufzugeben. Aber auch der Rückbau der Baupiste während des Ansteigens des Seespiegels und das unerwartete Hangwasser vom Land, verlangten dem Wasser zuliebe schnelle und rasche Ideen. Zwei weitere wichtige Ereignisse benötigten die Zuneigung zum Wasser: Das Ansteigen des Seespiegels verwehrte jegliche Weiterarbeit und dass bei einem hohen Seespiegel beinahe alles Material nass ausgebaggert und in einem Sickerbecken von 300 Kubikmeter Inhalt abgetrocknet werden musste.

Die Teilnehmenden der Bautagung zeigten sich anlässlich eines Rundgangs beeindruckt vom Stand der Bauarbeiten.

Werner Lenzin