Im öffentlichen Raum gibt es immer mehr Natursteine

Marco Marazzi, Präsident Naturstein-Verband Schweiz NVS, erläutert im Interview die aktuellen Trends bei den Natursteinen und warum auf die Herkunft geachtet werden soll.

Der Trend geht Richtung mehr Natur – ist das auch bei den Natursteinen der Fall?
Marco Marazzi: Auf jeden Fall! Naturstein ist ein unverändertes, natürliches Material. Natursteine werden in den verschiedensten Bereichen vermehrt verbaut, zum Beispiel bei der Gestaltung von Gärten in Form von Bodenbelägen oder Trockenmauern. Bei den Terrassenbelägen, dagegen, insbesondere auch bei Dachterrassen, kommen viele imitierte Steine zum Einsatz. Sie sind einfacher zu pflegen und preislich günstiger. Darum setzen viele Architekten auf Keramik. Die Nachteile zum Naturstein sind mögliche Spannungsrisse, sowie die Trittsicherheit ist nicht immer gewährleistet. Zudem ist der Energieaufwand bei der Herstellung viel grösser. Das sind in meinen Augen gravierende Nachteile.

Kommen Natursteine auch in Innenräumen zum Einsatz?
Marazzi: Ja, gerade warme, helle, mediterrane Töne sind sehr gefragt. Auch im Innenbereich konkurrenziert der Naturstein indes mit der Keramik, die den Trend zur Natursteinoptik aufgreift und nachahmt. Der grosse Vorteil von echtem Naturstein ist die Möglichkeit, verschiedene Oberflächen individuell zu bearbeiten, zum Beispiel poliert, satiniert oder geschliffen. Für uns besonders erfreulich ist die Haltung der öffentlichen Hand.

Weil mehr Natursteine verbaut werden?
Marazzi: Genau. In Chur wurde die Fussgängerzone mit schönem Andeer Granit gestaltet. In Bern ist der Bundesplatz aus Valser Quarz. Auch in Meilen gibt es einen attraktiven neuen öffentlichen Dorfplatz aus San-Bernardino-Gneis. Und in Zürich wird die Erweiterung des Kunsthauses mit einer speziellen Fassade aus Schweizer Jurakalk erstellt. In St. Gallen wurde der ganze Klosterbereich in Guber Quarz-Sandstein gepflastert. Das sind sehr positive Signale. Die Vertreter der öffentlichen Hand entscheiden sich ganz bewusst für eine aufwendige und daher nicht billige Bauweise, zugunsten der Qualität, der Langlebigkeit und des Erscheinungsbildes. Auch der ökologische Aspekt spielt bei der Beschaffung immer eine wichtigere Rolle.

Wie stehen Sie zu Natursteinen aus China?
Marazzi: Das ist ein grosses Problem. Die Marazzi Naturstein AG führt in ihrem Sortiment selbstverständlich auch ausländische Natursteine, zum Beispiel Marmor aus dem italienischen Pietrasanta (Carrara) und Granite aus der ganzen Welt. Ich kritisiere darum nicht ausländische Erzeugnisse per se, aber Natursteine aus China erfüllen die Kriterien in Sachen Nachhaltigkeit klar nicht. Die Chinesen kaufen, vor allem in Afrika, Steinbrüche auf und transportieren die Rohblöcke zur Verarbeitung nach China. Danach verschiffen sie die bearbeiteten Steine wieder nach Europa, wo sie ihre Erzeugnisse zu sehr billigen Preisen veräussern. Das ist keine gute Entwicklung, da die Ökobilanz denkbar schlecht ausfällt, wenn schwere Waren wie Natursteine über so weite Strecken transportiert werden. Der NVS ruft deshalb dazu auf, auf die Herkunft der Natursteine zu achten. Baumeister sollen bei einem Kauf nachfragen, woher die Natursteine kommen und wo sie bearbeitet wurden. Die Kriterien Qualität und Nachhaltigkeit sollen stärker gewichtet werden – so wie es die Revision des öffentlichen Beschaffungswesens BöB will.
Auf dem Foto ist der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich zu sehen.