Emmen soll massvoll wachsen

Die Bevölkerungsumfrage zum städtebaulichen Gesamtkonzept erzielte eine Rekordbeteiligung. Über 1000 Personen haben sich überraschend homogen zur zukünftigen Entwicklung der Gemeinde Emmen geäussert. Wichtigste Forderungen sind der Erhalt von Grünflächen, die Erhöhung der Verkehrssicherheit für den Fuss- und Veloverkehr sowie der Erhalt des Charakters von Emmen, vor allem in den Wohngebieten. Die Vision zur qualitätsvollen Weiterentwicklung wird durch die Umfrageergebnisse breit abgestützt.

Vom 16. Mai bis 16. Juni 2019 stand der Entwurf des städtebaulichen Gesamtkonzepts auf dem Prüfstand. In einer Onlineumfrage konnten sich die Bevölkerung sowie an Emmen interessierte Kreise, vorrangig Grundeigentümer und Arbeitnehmer ohne Wohnsitz in Emmen, in die Revision der Ortsplanung einbringen. Die erwartete Teilnahme von knapp 500 Personen wurde weit übertroffen. Dank der sehr hohen Beteiligung von 1072 Teilnehmenden ergibt die Umfrage ein repräsentatives Abbild der geäusserten Meinungen und Erwartungen. 80 Prozent der Teilnehmenden wohnen in Emmen und rund 74 Prozent der Teilnehmenden sind in Emmen stimmberechtigt. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass sich 57 Personen unter 18 Jahren (6 Prozent) an der Umfrage beteiligt haben. Zum ersten Mal überhaupt, konnte die Jugend sich in diesem wichtigen Projekt eingeben.

Die ausserordentlich hohe Beteiligung führt Christine Bopp, Projektleiterin der Gesamtrevision, auf zwei wesentliche Faktoren zurück: Erstens, die frühzeitige und einbindende Kommunikation und zweitens, dass sich die Bevölkerung für das Thema interessiert. «Es zahlt sich aus, dass wir die einzelnen Anspruchsgruppen individuell und persönlich abgeholt und laufend informiert haben. Der Bedarf an Mitwirkung ist vorhanden. Die Emmerinnen und Emmer fühlen sich betroffen und möchten Einfluss nehmen.» Geschätzt wurden insbesondere die quartierspezifischen Antwortmöglichkeiten und die Möglichkeit zur Beteiligung an sich, wie zahlreiche positive Rückmeldungen und über 1000 individuelle Bemerkungen zeigen.

Ruf nach einer massvollen und qualitativen Entwicklung

Erstaunlich ist die ausgeprägte Homogenität der Ergebnisse und dass kaum Meinungsunterschiede innerhalb der verschiedenen Segmente herrschen. Wo Differenzen auftreten, stehen nachvollziehbare Bedürfnisse dahinter, beispielsweise wünschen sich eher Familien Spielplätze oder Mieter sind weniger deutlich dagegen, Bauland einzuzonen.  Die Resultate unterstreichen zudem den Konsens über alle Teilnehmenden hinweg, wie sich Emmen in den nächsten 15 Jahren entwickeln soll. Die Vision des qualitativen Wachstums wird ebenso geteilt wie die Forderung nach einer punktuellen Verbesserung der Lebensqualität in Emmen.

Die wichtigste Forderung an die Qualität ist der Erhalt der Grünflächen und Landschaftsräume im Siedlungsgebiet (90 Prozent). Diese Elemente erachten die Teilnehmenden durchgehend als besonders wertvoll. Das Bauen neuer Gebäude soll auf die bestehenden Bauzonen beschränkt werden. Es wird also eine behutsame Entwicklung angestrebt und kein radikaler Umbau erwartet. Bezogen auf den Werkplatz Emmen sind die Antworten ähnlich eindeutig. Emmen soll sowohl Massnahmen treffen, um Arbeitsplätze zu erhalten (88 Prozent) als auch attraktiver für neue Arbeitsplätze werden (82 Prozent).

Strasse mit Atmosphäre anstelle Verkehrsachsen

Das städtebauliche Gesamtkonzept soll eine hochwertige Verdichtung in den Zentrumszonen ermöglichen und somit neuen Raum für Wohnen und Arbeiten schaffen. Die Wohnquartiere hingehen sollen möglichst erhalten bleiben, wie sie sind. Das zeigt sich sowohl in der Abfrage der übergeordneten Strategien wie auch in den quartierspezifischen Befragungen. Befürwortet wird eine Aufwertung der Achse Seetalplatz bis Sprengi mit mehr Bäumen, mehr Sicherheit für Velofahrer und Fussgänger, einladenden Bebauungen mit Einkaufsmöglichkeiten, einer Fussgängerzone sowie Plätzen für verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen. Eine Aufwertung mit mehr Aufenthaltsqualität wünschen sich die Teilnehmenden auch für die Seetalstrasse im Gebiet Meierhöfli.

Ein grosses Anliegen ist ebenfalls die Aufenthaltsqualität von Sprengi- und Sonnenplatz. 83 Prozent der Befragten möchten, dass der Sonnenplatz zukünftig mehr zum Verweilen einlädt und die Verbindung zu Bus und Bahn verbessert wird. Dies soll allerdings nicht auf Kosten der Verkehrsfläche geschehen (45 Prozent lehnen das ab).

Leben in Emmen

Die Emmerinnen und Emmer sind grundsätzlich sehr zufrieden mit ihrer Wohngemeinde und leben gerne hier, was 91 Prozent der Befragten bestätigen. Auf einer Skala von eins bis sechs attestieren 53 Prozent aller Interviewten eine hohe bis sehr hohe Lebensqualität. Besonders gute Noten vergeben hier bemerkenswerterweise die unter 20-jährigen. Einen kritischeren Blick auf das Leben in Emmen werfen tendenziell nicht stimmberechtigte Personen über 50 Jahren (vorrangig Grundeigentümer, die nicht in Emmen wohnhaft sind).

Überraschung beim Wohnraumbedarf

Eine erstaunlich geringe Zustimmung haben generell Fragen rund um den Wohnungsbau und soziale Fragen erzielt. Aus Sicht der Emmerinnen und Emmer ist die Förderung des Wohnungsbaus für den gehobenen Mittelstand weniger wichtig als erschwinglichen Wohnraum zu fördern. Auch eine bessere soziale Durchmischung stellt für die Befragten kein prioritäres Anliegen dar. Im Vergleich dazu bescheinigen die Teilnehmer dem attraktiven Wohnraum für Familien innerhalb dieser Fragestellungen die höchste Relevanz. «Damit schätzt die Bevölkerung die aktuelle Diskussion um den Wohnraumbedarf aus ihrer eigenen Perspektive ein», sagt Projektleiterin Christine Bopp und ergänzt: «Es sind diese Erkenntnisse, welche die Wichtigkeit einer solchen Umfrage nochmals verdeutlichen.»

Nächste Schritte

Die Umfrageergebnisse werden Ende August 2019 in der Projektsteuerung und Mitte September 2019 in der Ortsplanungskommission behandelt. Das Team Städtebau überarbeitet anschliessend das städtebauliche Gesamtkonzept und erstellt den Schlussbericht im November 2019 zuhanden des Gemeinderates. Gemäss Planung nimmt der Einwohnerrat in seiner Sitzung vom 17. Dezember 2019 davon Kenntnis.