Gastkommentar von Gian-Luca Lardi: Energie und Klima – die Chancen der Bauwirtschaft

Keine Branche hat in den letzten zwanzig Jahren mehr getan für die CO2-Reduktion als die Baubranche. Denn im Gebäudepark steckt das grösste Potenzial für mehr Energieeffizienz und weniger CO2-Ausstoss. Um dieses beschleunigt zu nutzen braucht es nicht zusätzliche Regulierungen, Steuern oder staatliche Interventionen. Mehr unternehmerischer Handlungsspielraum und der Abbau unnötiger Regulierungen hilft dem Klima mehr.

Wer die aktuelle Medienberichterstattung liest, kommt nicht um sie herum. Die Klimadiskussion. Der Baumeisterverband engagiert sich aktiv in dieser Diskussion. Denn die Bauwirtschaft kann gerade zur CO2-Reduktion weiterhin einiges beitragen. 45% des Energiebedarfs in der Schweiz besteht gemäss Analyse des Bundesamtes für Energie im Zeitraum von 2000-2017 im Gebäudebereich. Während nun tausende von Menschen auf die Strasse gehen und demonstrieren, nutzen wir die Chance durch Sanierungen, Um-, Neu-, und Ersatzbauten die Schweiz klimafreundlicher zu gestalten. Das Thema hat auch die Politik erreicht, wie die Wahlen in den Kantonen Zürich, Luzern oder Baselland zeigten. Gerade deshalb scheint sich der Ständerat auch einiges für die kommende Beratung zum CO2-Gesetz vorgenommen zu haben. Neue Überregulierungen, Normen, Verbote und Abgaben bringen aber nichts. Vielmehr gilt es bestehende Instrumente einzusetzen und unnötige Regulierungen, die mehr Energieeffizienz im Gebäudepark verhindern, abzubauen.

Energieeffizienz und CO2-Reduktion zulassen

Um dem CO2-Ausstoss zu reduzieren hat der Bund bereits 2010 das Gebäudeprogramm lanciert. Es unterstützt Hausbesitzer, welche mit einer Sanierung ihre Liegenschaft energieeffizienter machen. Der Grundgedanke des Gebäudeprogrammes ist gut und eine Weiterführung sinnvoll. Doch das alleine setzt nicht am Kern des Problems an. Energieeffizientes Bauen ist bereits heute keine Randerscheinung mehr. Im Gegenteil. Bei immer mehr Bauherren ist eine nachhaltige Infrastruktur zur Selbstverständlichkeit geworden. Und doch sind in der Schweiz immer noch rund 1’500’000 Gebäude sanierungsbedürftig. Obwohl die Technik bereits heute vieles möglich macht, ist die jährliche Sanierungsrate noch tief. Trotz attraktiver Förderung verhindert auch amtliche Bürokratie, dass der CO2-Ausstoss in Gebäuden noch schneller gesenkt werden kann. Viele Bauprojekte scheitern bereits in der Planungsphase an den teils übertriebenen Vorschriften des Natur- und Heimatschutzes. Insbesondere bei Gebäuden, welche im Rahmen des Bundesinventars für schützenswerte Ortsbilder aufgelistet sind, zeigen sich grosse bürokratische Hindernisse im Sanierungsfall. Gerade in diesem Fällen wird sich der Gesetzgeber früher oder später entscheiden müssen, ob er nun ökologische oder historische Aspekte höher gewichten möchte.

Langwierige Einspracheverfahren verhindern

Zwischen 1970 und 1990 wurden in der Schweiz rund 400’000 Wohnungen gebaut. Fast ein viertel der Schweizer Wohnungen stammt also aus diesem Zeitraum. Dass die damalige Bauweise in vielerlei Hinsicht nicht dem heutigen ökologischen Verständnis entspricht, ist somit verständlich. Die Praxis zeigt, dass Bauherren durchwegs gewillt sind, ihre Gebäude durch ökologische Ersatzneubauten zu ersetzen. Doch verzögert oder verunmöglicht das aktuelle Einspracheverfahren viele Projekte. Bevor sich nun das Parlament Gedanken um neue Regulierungen macht, sollte es sich der aktuellen Ist-Situation bewusst werden. Neue Regulierungen haben noch selten Planungs- und Bauverfahren vereinfacht. Es gilt nun bestehende Hindernisse abzubauen und nicht neue zu erstellen.

Gian-Luca Lardi ist Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbands