Compliance: Ein Thema auch für Bauunternehmungen

Viele denken fälschlicherweise, Compliance sei ein Fachbegriff aus der Banken-, Versicherungs- oder Pharmabranche. In einer zweiteiligen Serie beleuchtet die Fachzeitschrift «Schweizer Bauwirtschaft», warum Compliance auch in jedem Baubetrieb implementiert werden sollte.

Werden Rechtsverstösse von Unternehmen aufgedeckt, dann findet das immer wieder einen grossen Nachhall in den Medien und der Öffentlichkeit, mit einem entsprechend grossen Reputationsschaden. In diesem Zusammenhang taucht vermehrt der Begriff Compliance auf, der aus der amerikanischen Rechtsprechung stammt. Im Grunde bezeichnet er nichts Neues, sondern den Umstand, dass sich Unternehmen an die Regeln halten (d.h. compliant sind). Das ist eigentlich selbstverständlich, fällt den Entscheidern der Baubranche aufgrund der immer dichter und komplexer werdenden Regulierung jedoch zunehmend schwerer. Das setzt sie dem Risiko des Regelverstosses aus und damit der Gefahr, dass das eigene Image beschädigt wird.

Besonders schwerwiegend ist der drohende Ausschuss von öffentlichen Aufträgen oder der Abbruch von Geschäftsbeziehungen bei einem publik gewordenen Gesetzesverstoss. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) hat darum Massnahmen zugunsten seiner Mitglieder ergriffen und ein Merkblatt für Bauunternehmungen ausformuliert. Das Merkblatt gibt einen Überblick über die Thematik, will und kann aber eine umfassende rechtliche Beratung durch einen Fachspezialisten nicht ersetzen.

Legal aber nicht legitim

Die Schwierigkeiten für Bauunternehmer, die sich mit der Compliance beschäftigen, beginnen bei der Tatsache, dass es sich bei der Compliance um einen Sammelbegriff handelt. Eine genaue gesetzliche Definition gibt es nicht. Zudem enthält der Begriff auch eine ethische Komponente, will heissen, dass es auch um Wertvorstellungen wie Ehrlichkeit, Fairness, Transparenz, Anstand und Vertrauen geht. Diese ethischen Normen und deren Umfang sind nicht vorgeschrieben, sie werden im Rahmen eines Compliance Programms vom Unternehmen selbst definiert – ganz nach dem Motto: «Nicht alles, was legal ist, ist legitim.»

Mehrwert für die Bauunternehmung

Compliance ist Chefsache. Die Geschäftsleitung muss eine Reihe von Massnahmen ergreifen, damit Regeln und Gesetze eingehalten werden. Diese Massnahmen bilden ein Compliance-Management-System, ein eigentliches Verhaltenskonzept. Was, mit anderen Worten, bedeutet, dass Compliance nicht «fallweise» angewendet wird – wann es gerade passt und nicht anderen Zielen zuwiderläuft – sondern dass ein Prozess implementiert wird, der einen «flexiblen» Umgang mit Regeln und Gesetzen unterbindet. Dazu muss feststehen, dass sich Compliance lohnt, dass sie dem Unternehmen nützt – und darum muss gerade die Geschäftsleitung hinter einem Compliance-Management-System stehen. Es gilt aufzuzeigen, dass eine langfristig positive Entwicklung des Unternehmens nur dann möglich ist, wenn die Regeln, Normen und Gesetze eingehalten werden. Ein Compliance-Management-System bildet also einen Mehrwert für eine Unternehmung, nicht eine Behinderung von Abläufen. Nur wenn das allen Beteiligten klar ist, kann die Implementierung eines Compliance-Management-Systems gelingen.

Nicht hinterher, sondern vorher

Gebotsvorstösse sollen gar nicht erst passieren – damit steht fest, dass ein Compliance-Management-System in erster Linie einen präventiven Charakter aufweist. Allerdings soll auch klar sein, dass eine Missachtung von Regeln oder Gesetzen nicht ungeahndet bleibt. Damit soll das Compliance-Management-System auch die Möglichkeit bieten, nach einem erfolgten Verstoss die Situation zu analysieren, um ähnliche Fehler in Zukunft vermeiden zu können, und Sanktionen gegen fehlbare Personen auszusprechen.

In der «Schweizer Bauwirtschaft» von Mitte Juni wird beleuchtet, was ein Compliance-Management-System umfasst. Ebenso gibt es eine Disposition zu einem Muster-Code of Conduct.

Das neue Merkblatt des Rechtsdienstes zur Compliance gibt es unter  www.baumeister.ch/compliance