Sein klares Ziel ist der Weltmeistertitel

Gute Nerven im Wettkampf zeichnen den Schweizer Meister der Maurer, Jérôme Hug, aus. Damit bringt er gute Voraussetzungen für die WorldSkills mit.

Ganz ruhig verrichtet er seine Arbeit, lässt sich vom Publikum nicht beirren. Beim Schaumauern an der Luzerner Baumaschinen-Messe Baumag musste Jérôme Hug ein Objekt nach Plan erstellen. Dabei gilt es, die Teilsteine ganz genau zuzuschneiden und anschliessend millimetergenau aufzumauern. Hug erstellte eine Mauer mit der Beschriftung Aregger, dem Firmennamen seines Arbeitgebers. Gefragt sind nicht nur Genauigkeit und eine schöne Ausführung, es wird auch auf Zeit gearbeitet. Am letzten Messetag hat Hug seine Mauer fertig erstellt. Anschliessend schaut er sich sein Bauwerk mit dem Experten Patrik Birrer von der Maurerlehrhalle Sursee ganz genau an. Wo kann er noch besser, noch schneller werden, das ist die Frage. Hug hört aufmerksam zu. «Es ist mein grosses Ziel, an den Berufsweltmeisterschaften in Kazan die Goldmedaille zu holen», erläutert er. Dieses Ziel hat bei ihm eine ganz hohe Priorität, ihm ordnet er anderes unter. So hat er etwa seine Karriere als Velorennfahrer auf Eis gelegt. Er, der nationale und internationale Velorennen fuhr, erklärt, dass ihm die WorldSkills  derzeit zu wenig Zeit lassen für ein Training, «und ohne Training macht es keinen Sinn». Dabei lässt sich Hug nicht nur vom Ehrgeiz leiten, sondern auch von seiner Begeisterung für das Schaumauern. «Ich mache das extrem gerne, das ist eine richtige Leidenschaft», schmunzelt er. Über das Endergebnis freue er sich jeweils sehr, «auch wenn ich weiss, dass die Mauer am nächsten Tag wieder abgerissen wird. Sie irgendwohin zu transportieren wäre zu aufwendig.»

Fünfjahres-Plan

Dabei ist Hug auf einem Umweg Maurer geworden. Er, der nach der Oberstufe auch auf die Kantonsschule hätte wechseln können, lernte zuerst Landschaftsgärtner. «Ich begann die Lehre mit dem Plan, anschliessend Weiterbildungen zu absolvieren. Allerdings stellte ich fest, dass im Gartenbau gut Qualifizierte gar nicht sehr gefragt sind. Weiter habe ich realisiert, dass man als gelernter Maurer viel bessere Chancen und Karrieremöglichkeiten hat, und darum habe ich eine zweite Lehre als Maurer angehängt.» Seinen Entscheid, nicht auf die Kantonsschule zu gehen, bereut er nicht. «Für Arbeitgeber sind Arbeitnehmer mit Lehre und Fachhochschulabschluss die besten Angestellten, weil sie über ein breites Wissen verfügen, theoretisch und praktisch. Die Kantonsschulen bereiten einen weniger gut auf das Berufsleben vor – das sehe ich auch daran, dass ich viele Kollegen mit Matura habe, die keinen Job finden. Leider ist es aber bei uns Maurern so, dass wir nur wenig Lernende haben, die auch gute Schüler sind. Dabei haben gute Schüler sehr gute Karrieremöglichkeiten!» Hug selber will im Herbst mit der Vorarbeiterschule beginnen, anschliessend die Polierschule absolvieren und zuletzt die Bauführerschule. «Das ist mein Fünfjahres-Plan», lacht er. Mathematik, technisches Zeichnen und der handwerkliche Unterricht waren seine Lieblingsfächer in der Schule.

«Grösstes Ziel»

Noch ist für Hug die Weiterbildung weit weg, denn davor werden die WorldSkills ausgetragen. «Mein grösstes Ziel ist es, in Kazan das Maximum zu erreichen», sagt Hug. Von seiner Arbeitgeberin, der Aregger AG, erhalte er eine sehr gute Unterstützung, lobt er. «Das ist ein Topangesteller, an dem wir eine grosse Freude haben. Ein wunderbarer junger Mann, der sehr motiviert und engagiert ist», lobt Hans Aregger, Geschäftsführer und Inhaber der Aregger AG. Den Aufwand, den er für die Vorbereitung auf Kazan auf sich nimmt, ist sich Hug gewohnt. Als Velorennfahrer absolvierte er 15 bis 20 Trainingsstunden pro Woche. Trotzdem schloss er seine Lehre mit einer 5,7 im praktischen Teil und 5,5 in der Theorie ab. Für die Vorbereitung auf Kazan wird Hug etwa 30 bis 40 Trainingstage bestreiten. Ansonsten wird er normal arbeiten. Der Schweizerische Baumeisterverband SBV unterstützt Hug ebenfalls. Er zahlt einen Teil des Lohnes, wenn Hug bei der Arbeit wegen seiner Vorbereitung auf die WorldSkills fehlt. Er organisiert auch ein Mentaltraining. Darauf freut sich Hug besonders. «Mental bin ich stark, das habe ich im Sport so gelernt. Zudem war meine beste Disziplin im Velorennsport das Einzelzeitfahren. Da ist man 20 bis 30 Kilometer alleine auf dem Velo unterwegs, muss sich Strategien zurecht legen, nicht nachzulassen.» Seinen Schweizermeistertitel verdankt er eben der mentalen Stärke. Am dritten Wettkampftag befand er sich im Rückstand. Da unterlief ihm ein Fehler, ein Teil seines Mauerwerks stürzte ein. Anstatt zu hadern, lautete bei Hug das Motto «Jetzt erst recht». Er baute sich mental auf und lieferte eine Bestleistung ab, die ihn zum Sieg führte.

Drei Tage war Hug kürzlich mit seiner Freundin in St. Moritz, ansonsten plant er keine Ferien. «Ich werde mit dem Mentalcoach anschauen, ob mir Ferien vor dem Wettkampfgut tun oder eher nicht», erläutert er seine Taktik, «danach werde ich mich richten. Und natürlich werde ich jede Gelegenheit zum Trainieren nutzen.» Damit steht fest: In Sachen seriöse Wettkampfvorbereitung ist Hug bereits Weltmeister.