Natürlich, natürlicher – künftiges Hochrheinufer

Bald werden beim Hochrhein die Bagger auffahren. Das Thurgauer Amt für Umwelt hat ein Konzept zur Sanierung des Uferabschnitts zwischen Wagenhausen und Schlatt erarbeitet. Ziel dieser Rheinufersanierung ist es, die bestehende harte Uferverbauung – wo immer möglich – zu entfernen. Das Ufer soll so gestaltet werden, dass es den Bedürfnissen der Natur, der Anwohner und der Erholungssuchenden gerecht wird sowie möglichst tiefe Unterhaltskosten verursacht.

Weniger als die Hälfte des 16.6 Kilometer langen Thurgauer Rheinufers zwischen Wagenhausen und Schlatt sind in einem natürlichen oder naturnahen Zustand. Der restliche Teil besteht aus Betonplatten, Mauern oder Blocksteinen. Das Rheinufer ist dadurch aus ökologischer und landschaftlicher Sicht massiv beeinträchtigt. Zudem ist der Zugang zum Gewässer erschwert. Die meisten Uferverbauungen stammen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit sind sie beschädigt und teilweise unterspült worden. Viele Abschnitte sind deshalb baufällig.

Die heutigen gesetzlichen Bestimmungen schreiben bei Eingriffen in ein Fliessgewässer vor, dass die Ufer wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Dadurch werden wieder Lebensräume für vielfältige Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Neben der Biodiversität und der Naherholung muss der Hochwasserschutz gewährleistet werden.

Verbauungen werden entfernt
Das vorliegende Konzept bezeichnet die zu sanierenden Abschnitte und schlägt konkrete Massnahmen vor. Die bestehenden Uferverbauungen sollen – wo immer möglich – entfernt und die Ufer revitalisiert werden. Durch Kiesschüttungen sollen natürliche, flach auslaufende Böschungen geschaffen werden. Aus ökologischen und landschaftlichen Gründen soll die Böschungsneigung lokal variieren. An Standorten, wo eine gewisse Ufererosion akzeptiert werden kann, sind steilere oder auch gar keine Vorschüttungen denkbar. Neben den Vorschüttungen sind weitere Elemente für Ökologie und Naherholung vorgesehen, beispielsweise Steilufer für Eisvögel oder natürlich strukturierte Badeplätze. In Abschnitten, in welchen die Siedlungen bis an den Rhein grenzen – zum Beispiel in der Diessenhofener Altstadt – bleiben die bestehenden Uferverbauungen in der Regel erhalten und werden bei Bedarf saniert. Im Konzept zurückgestellt wurde die Renaturierung des Uferwegs von der Badi Diessenhofen bis zum Campingplatz («Treidelweg»): Sie ist neu nur noch mit 2. Priorität versehen.

Schrittweise Umsetzung über die nächsten Jahre
Das Konzept wurde unter Mitwirkung der Standortgemeinden Wagenhausen, Diessenhofen und Schlatt, der massgebenden kantonalen Fachstellen und des Kraftwerks Schaffhausen (SH Power) erarbeitet. Die Anliegen der lokalen Interessensgruppierungen wurden soweit möglich im Konzept berücksichtigt. Das Departement für Bau und Umwelt hat das Amt für Umwelt angewiesen, die baulichen Massnahmen gemäss Konzept im Rahmen der zur Verfügung stehenden Budgetmittel, in den ordentlichen Verfahren und in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden schrittweise umzusetzen.