Er schloss seine Lehre mit einer Sechs ab

Oliver Zehnder ist von grossen Baumaschinen fasziniert und absolvierte darum eine Lehre als Grundbauer EFZ. Mit der Abschlussnote sechs schloss er landesweit als Bester ab. Im Herbst beginnt er eine Ausbildung zum Bauführer.

Die Baustelle von Oliver Zehnder befindet sich beim Parkhaus 6 des Flughafens Zürich. Ständig heben Flieger über ihm ab, bringen Menschen in den Urlaub. Zehnder verspürt keinen Neid. «Ich verreise eher selten, das ist nicht so mein Ding», erklärt er und schmunzelt: «Aber die 1000 Franken, die ich vom Baumeisterkurszentrum Effretikon erhalten habe, werde ich für Ferien mit meiner Freundin nutzen.» Die Geldgabe verdankt der 25-jährige Zehnder seiner Traumnote sechs bei der Lehrabschlussprüfung zum Grundbauer EFZ. Er lächelt bei nahe ein wenig verlegen, als die Rede darauf kommt. Gut war er in allen Fächern, aber einige hat er lieber besucht. Mathematik, Geometrie und Zeichnen haben ihm am meisten Freude bereitet. Den nächsten Ausbildungsschritt hat Zehnder schon ins Auge gefasst: Ab Oktober wird er sich zum Bauführer ausbilden lassen. Von seiner Firma, der Marti AG, wird er dabei sehr unterstützt. «Ich verspüre einen grossen Rückhalt, eine grosse Anerkennung, das ist schön», sagt er.

Auf Baustellen aufgewachsen

Auch wenn er wieder die Schulbank drücken wird, ist Zehnder jemand, der lieber arbeitet als lernt. Der Besuch eines Gymnasiums war für ihn deshalb keine Option. «Ich wusste schon früh, dass ich eine handewerkliche Lehre absolvieren würde. Das ist bei uns Familientradition», erklärt er. Seine beiden Brüder haben Maurer EFZ gelernt, der Vater ist Baumeister mit einem eigenen Unternehmen in Birmensdorf ZH. «Ich bin auf Baustellen aufgewachsen», bekennt der sympathische junge Berufsmann.

Vorerst verschlug es Zehnder indes nicht auf Baustellen, vielmehr absolvierte er eine vierjährige Lehre zum Baumaschinenmechaniker EFZ bei der Richi AG in Weiningen AG. Vier Jahre lang blieb er auf dem Beruf. «Baumaschinen faszinieren mich eben», erläutert er. Allerdings kam er bei der Richi AG in Kontakt mit dem Spezialtiefbau, der ihn noch mehr fesselt – weil man dazu die grössten Baumaschinen benötigt. Zehnder entschied sich, nochmals eine Lehre zu absolvieren, eben die zum Grundbauer EFZ. Seine profunden Kenntnisse der Baumaschinen seien sicher ein Vorteil bei seiner Tätigkeit, erläutert er. Gebe es mit einer Maschine Probleme, könne er diese relativ rasch einordnen und gegebenfalls sogar an Ort und Stelle selber beheben. Auch im Schulunterricht in der Lehre habe er hin und wieder von der ersten Lehre profitieren können. «Mathematik und Zeichnen waren schon da wichtig.»

Der Teamgeist ist super

Was Zehnder an seinem Beruf als Grundbauer am meisten gefällt: «Wir sind als Team unterwegs, müssen einander vertrauen und uns aufeinander verlassen können. Fehler können wir uns keine erlauben. Nur wenn wir alle das gleiche Ziel haben, erreichen wir mehr. Das schweisst uns zusammen. Bei uns gibt es die verschiedensten Nationalitäten, und dennoch funktionieren wir sehr gut als Team, über alle allfälligen Barrieren hinweg. Wir sind eine super Gruppe, das ist sehr schön. Weil wir in Vierteams unterwegs sind, lernen wir einander recht gut kennen.»

Ob er sich vorstellen könne, dereinst in der Firma seines Vaters einzusteigen, will die Berichterstatterin wissen. Derzeit sei das kein Thema, meint Zehnder. «Meine beiden Brüder arbeiten in der Firma. Ich habe mich entschieden, vorerst bei der Marti AG zu bleiben, weil ich da ungemein viel lerne und optimal gefördert werde. Die Marti AG bietet den Angestellten sehr viel, das ist nicht selbstverständlich. Und sie unterstützt mich bei meiner Weiterbildung zum Bauführer. Ich fühle mich hier wirklich sehr gut aufgehoben.» Selbstverständlich könne es sein, dass es ihn in ein paar Jahren doch locke, in die familieneigene Firma einzutreten. «Aber im Moment stimmt es so, wie es ist. Und sollte ich doch einmal wechseln wollen, dann ist es wertvoll, gesehen zu haben, wie in anderen Firmen gearbeitet wird. Das öffnet den Horizont.»

Passionierter Leichtathlet

In seiner Freizeit spielt der Turnverein Urdorf eine grosse Rolle. Zehnder bestreitet Leichtathletikwettkämpfe und leitet Trainings der Aktivriege. Gleichzeitig amtet er als technischer Leiter der Aktivriege. Kann man, wenn man eine körperlich anstrengende Tätigkeit ausübt, als Hobby noch Sport treiben? Durchaus, findet Zehnder und gibt zu bedenken: «Eine gewisse Fitness ist für einen Grundbauer von Vorteil.» Allerdings räumt er ein, dass er, als er mit der Lehre begonnen habe, anfänglich abends schon etwas müde gewesen sei. «Aber das legt sich.» Viel gelernt habe er in der Pfadi, insbesondere in der Zeit als Pfadileiter, meint er. «Man muss vor Leute hinstehen, sie führen. Das sind wertvolle Erfahrungen», denkt er, auch wenn er aus Zeitgründen die Pfadi in der Zwischenzeit verlassen hat.

Spannendstes Bauprojekt

Sein interessantestes Bauobjekt sei die Überbauung bei der Tonhalle Zürich auf dem Areal der Villa Rosau AG gewesen, erzählt der junge Grundbauer begeistert. Die Topografie sei herausfordernd gewesen. «Aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse mussten wir Schlitzwände erstellen, das war sehr anspruchsvoll», berichtet Zehnder begeistert. Der Nachteil, gibt er zu, sei gewesen, dass die Arbeiten im Winter stattgefunden hätten, in der Nähe des Zürichsees. «Es war ziemlich kalt», räumt er unumwunden ein. «Aber ich bin gerne an der frischen Luft, und man kann sich entsprechend warm anziehen. Ausserdem gewöhnt man sich daran, im Winter viel draussen zu sein. Gesund ist es allemal. Ich war, seit ich als Grundbauer tätig bin, noch nie krank. Und wenn es im Som mer schönes Wetter hat und man den ganzen Tag an der Sonne sein kann, dann entschädigt das einen für die kalten Wintertage.»