«Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ist weiterhin ein grosses Thema»

Zwei Drittel der SBV-Delegierten sagten gestern Ja zu einem neuen Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe, zur Sicherung der Frührente Bau ab 60 und zu Lohnerhöhungen für die nächsten zwei Jahre. Die Schweizer Bauwirtschaft hat dazu mit einigen Delegierten gesprochen.

Markus Derungs, Präsident Graubündnerischer Baumeisterverband, sagt: «Der Unmut der Delegierten über die ausgehandelte Lösung war spürbar. Gut finde ich, dass die Sanierung des FAR in Angriff genommen werden kann und dass damit die Rente ab 60 im Bauhauptgewerbe gesichert ist. Das Thema der Arbeitszeiten muss aber bleiben, hier wurden zu wenig Verbesserungen erzielt.» In die gleiche Kerbe haut Ueli Weber, Präsident Baumeisterverband Kanton St. Gallen: «Die Delegierten des Baumeisterverbandes Kanton St. Gallen haben zähneknirschend der ausgehandelten Lösung für einen neuen Landesmantelvertrag zugestimmt. Ausschlaggebend war für uns, dass wir die Sanierung des FAR ermöglichen wollten, zugunsten unserer Mitarbeitenden. Zudem wird mit dem Ja ein vertragloser Zustand verhindert. Allerdings ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten weiterhin ein grosses Thema – hier wurden im neuen LMV keine grundlegenden Verbesserungen erzielt. In dieser Hinsicht müsste man einen grossen Schritt weiterkommen.»

Ja gestimmt hat die Basler Delegation. Rolf Graf, Präsident Bauunternehmer Region Basel, erklärt, der Grund dafür sei die Paketlösung gewesen. «Für uns stand fest, dass wir beim FAR ganz klar eine Sanierung wünschten. Dafür haben wir auch den ausgehandelten Lohnerhöhungen zugestimmt. Allerdings steht fest, dass wir im Gegenzug nichts erhalten haben. Substanziell gibt es im neuen LMV für uns keine greifbaren Verbesserungen. Zudem wurde immer betont, dass man das Vertragswerk einfacher gestalten wollte. Das wurde nicht erreicht – mehr noch, es wurden neue Paragrafen aufgenommen. Zudem war für uns das Thema der Flexibilisierung der Arbeitszeiten wichtig. Diese wird übrigens immer wieder auch von den Arbeitnehmern im Bau gewünscht. Zudem wollten wir keine Nullstundenregelung. Würde diese gestrichen, würde das eine Entlastung bedeuten, auch bei der Auftragsbeschaffung.» Martin Kummer, Präsident des Baumeister Verbandes Aargau, erläutert, die Delegierten seiner Sektion hätten mehrheitlich ja gestimmt. «Unsere Sektion hat die Stimmfreigabe beschlossen. Ich persönlich habe zugestimmt, weil ich es gut finde, wenn es in den nächsten vier Jahren einen gültigen LMV gibt. Es ist aber klar, dass die Schweiz aus verschiedenen Regionen besteht, die nicht alle die gleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen haben. Darum kann ich es verstehen, dass einzelne Regionen dem LMV nicht zustimmten konnten. Ich denke, dass das Ja für die ganze Bauwirtschaft der richtige Entscheid war.» René Leutwyler, Delegierter der Genfer Sektion, meint: «Der neue LMV ist eine Kompromisslösung und erfüllt deshalb einige Erwartungen nicht. Eine Kompromisslösung ist aber immer noch besser als kein Vertrag.»

«Lohnerhöhungen sollten individuell erfolgen»

Manfred Meyer, Delegierter des freiburgischen Baumeisterverbandes, sagt, er habe gegen den neuen LMV gestimmt. «Es wäre wichtig gewesen, den LMV hinsichtlich der Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu verbessern», sagt er. «Zudem finde ich eine generelle Lohnerhöhung wenig sinnvoll. Es sollte individuelle Lohnerhöhungen, entsprechend der Leistung, geben. Muss ein Arbeitgeber allen Mitarbeitenden mehr Gehalt zahlen, also auch denjenigen mit einer schwächeren Leistung, wird er sich überlegen, ob er diese für ihn nicht zu teuer sind», fügt er hinzu.

Ebenfalls beim Nein den Stimmzettel erhoben haben die Delegierten des Kantonal-bernischen Baumeisterverbandes. Fred Zimmermann, Präsident KBB, erklärt: «Der neue LMV bietet uns in Sachen Flexibilisierung der Arbeitszeit zu wenig. Seit über zwei Jahren reden wir von einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten, und trotzdem wurde praktisch nichts erreicht. Die neue Regelung ist nach wie vor nicht praxistauglich.»