Wie Bauunternehmer mit Risiken umgehen

Die diesjährige Bautagung näherte sich auf verschiedenen Ebenen dem Thema Risiko. Die Erkenntnis lautete, dass Risiken gemanagt werden müssen – und dass es das grösste Risiko ist, keine Risiken einzugehen.

Den Auftakt der diesjährigen Bautagung, die am 29. November 2018 im Campus Sursee stattfand, machte Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung beim SBV. Er machte klar, dass die Digitalisierung Chefsache ist. Baumeister müssten beim Ausarbeiten ihrer Strategie auch wissen, was Kunden möchten.

Fabian Waltert, Immobilienökonom bei der CS, befasste sich mit den Wirtschaftsaussichten. Er geht davon aus dass der Rückgang im Bau  im 2018  4 Prozent betragen wird, hauptsächlich wegen dem Wohnungsbau. Aber die Projektpipeline sei – noch! – sehr gut gefüllt. Für die zweite Hälfte 2019 erwartet er einen erneuten Rückgang.  Im Tiefbau sei die Entwicklung stabiler. Für Waltert hat das Bauhauptgewerbe  nur im begrenztem Umfang vom Immobilienboom profitiert. Dies wegen einer sehr grosse Konkurrenzsituation und der Margenentwicklung. Die Marge von drei 3 Prozent sei sehr tief. Waltert rief in Erinnerung, dass sich die Zahl der Insolvenzen verdreifacht hat. «In keiner Branche ist das Risiko für eine Insolvenz so gross wie im Bauhauptgewerbe», so Waltert. Er geht davon aus, dass ein baldiger Einbruch der Bauwirtschaft unwahrscheinlich sei, Korrekturen aber unvermeidlich. Er rief die Bauunternehmer auf, innovativ zu sein  und neue Geschäftsfelder zu suchen.

Höhe Eigenkapital entscheidend

Markus Bindschädler, CEO Vanoli AG, stellte klar: «Eine gesunde Eigenkapitalsbasis ist das Mass aller Dinge. Die Höhe des Eigenkapitals ist matchentscheidend, um durch gewisse Tiefen gehen zu können.» Für ihn stellt das Eigenkapital die Risikofähigkeit dar. Man müsse immer das Gesamtrisiko in Verhältnis setzen zu dieser Risikofähigkeit. Zudem sei es wichtig, zu wissen, wie sich das Unternehmen am Markt bewegt. Man solle seine Zahlen periodisch mit dem Marktumfeld vergleichen.

«Der Umgang mit Risiken ist die Voraussetzung für den Erfolg», betonte Gian Reto Lazzari, Delegierter des Verwaltungsrates der Butti Bauunternehmung AG. Er sprach verschiedene Risiken an, zum Beispiel die Arbeitssicherheit oder aber die Abhängigkeit vom  Know-how von Mitarbeitenden. Hier sei die Arbeitszufriedenheit wichtig. Er plädierte dafür, dass der Verwaltungsrat Risikoanalysen durchführen solle. Bei der Butti AG, die sehr schlank organisiert ist, werden Rechnungen nur bei Stichproben überprüft. Für ihn steht fest: «Risikomanagement bedeutet Arbeit.»

Wer wird Nachfolger

Wie organisiert man seine Nachfolge, darüber sprach Thomas Bornhauser, Inhaber UBBO Unternehmensberatung Bornhauser. Für ihn bäkt die Baubranche nur kleine Brötchen und trägt ein hohes Ertragsrisiko. Das betriebsnotwendige Vermögen ist erheblich – beim Umlaufvermögen muss der Hochbau 90 Tage stemmen können, der Tiefbau gar 120. Für das Anlagevermögen wäre der Werkhof eigentlich betriebsnotwendig. Das alles mache die Nachfolge schwierig. Deshalb sollten Bauunternehmer frühzeitig, also Jahre vorher, beginnen, ihren Betrieb so zu organisieren, dass er übergeben werden kann. Ob eigen- oder fremdfinanziert: Der Kaufpreis sollte in zehn Jahren von den betrieblichen Überschüssen refinanziert werden.

Eigenentwicklungen

Thomas Gasser, ehemaliger Verwaltungsratspräsident und CEO Gasser Felstechnik berichtete von den anspruchsvollen Bauprojekten, die sein Unternehmen in den Bergen realisiert hat. Dies ging immer wieder nur mit Spezialgeräten, die selber entwickelt wurden. Dabei sei eine CE-Konformität zentral, so Gasser, auch wenn diese aufwändig sei. «Aber spätestens bei einem Unfall zahlt es sich aus», so Gasser. Für ihn sind die Mitarbeitenden ein wichtiger Erfolgsschlüssel.

Wie macht man Risiko kalkulierbar, dieser Frage ging Extrem-Bergsteiger Dani Arnold nach. Er plädierte dafür, das Risiko auf viele kleine Schritte runterzubrechen. Die einzelnen kleinen Schritte würden keine Angst bereiten. Arnold bereicherte seinen Vortrag mit spektakulären Film- und Fotoaufnahmen, auf denen er ungesichert und sehr schnell steile Wände besteigt.

Die nächste Bautagung findet am 28. November 2019 statt.