Bauhauptgewerbe verzeichnet sinkende Auftragseingänge

An der Herbstversammlung des Thurgauischen Baumeister-Verband in der Mensa der Lehrhalle gab Präsident Mathias Tschanen klar zu verstehen: Die Gewerkschaften müssen jetzt einen Schritt auf die Baumeister zukommen.

«Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem Vorjahr um einen Prozent und die Auftragseingänge gar um acht Prozent zurückgegangen», begrüsst Präsident Mathias Tschanen seine Berufskollegen. Er gibt zu bedenken, dass das Bauhauptgewerbe in den ersten sechs Monaten 9.4 Milliarden Franken umgesetzt hat, 1.1 Prozent weniger als im Vorjahr. «Die Auftragslage deutet auf eine Konsolidierung hin und die Umsätze dürften dieses Jahr das Niveau des Vorjahres nicht mehr ganz erreichen», prognostiziert der Präsident.

Mehr Wohnungen als benötigt

Für Tschanen ist die Konsolidierung der Baukonjunktur ein klares Zeichen an unersättlichen Gewerkschaften. Die Baumeister präsentierten den Gewerkschaften Mitte Jahr ein klares Angebot: Rentenalter weiterhin mit 60 Jahren, monatlich 150 Franken höhere Löhne für alle und keine längeren Arbeitszeiten. Im Zentrum steht für den Präsident die Vereinfachung und Flexibilisierung der Arbeitszeitregelung. «Die Konjunkturentwicklung auf dem Bau zeigt eindrücklich auf, dass für weitere Forderungen der Gewerkschaften kein Spielraum bleibt», verdeutlicht Tschanen. Für ihn braucht es, dies mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Erhalt von qualifizierten Arbeitsplätzen, flexible Arbeitszeiten. Und wie sieht es aus mit dem Sorgenkind Wohnungsmarkt? Gemäss Tschanen werden seit einigen Jahren mehr neue Wohnungen gebaut, als es braucht. «Zwar steigen die Leerstände beim derzeitigen Bevölkerungswachstum deutlich tiefer als noch vor einigen Jahren und trotzdem gibt es schlicht eine zu geringe Nachfrage für die teilweise über 50 000 Wohneinheiten, die in den letzten Jahren erstellt worden sind», sagt der Präsident.

Erweiterung und Ausbau Lehrhalle

Aufgrund der Situation in diesem Frühjahr hat die Ostschweizer Maler-Fachschule das Bauvorhaben für die Erweiterung und den Ausbau der Lehrhalle Sulgen wieder frei gegeben. Der zehnjährige Mietvertrag, mit zweimaliger Option um fünf Jahre Verlängerung, ist unterzeichnet und seitens der Bauherrschaft (Thurgauischer Baumeister-Verband) ist die Detailplanung erfolgt und der grösste Teil der Ausschreibungen und Arbeitsvergaben sind abgeschlossen. Gemäss Terminplan sind der Baubeginn in der ersten Novemberwoche und der Bezug im August 2019. Die starken Rückgänge bei den Lehrlingszahlen sind alarmierend. Diesen Sommer haben lediglich noch 24 Schulabgänger eine Maurerlehre begonnen und deshalb der dringende Appell des Präsidenten an die Adresse seiner Kollegen: «Bildet Lehrlinge aus und wirbt für den Beruf».

Baumeister 5.0

«Der Bauunternehmer im digitalen Zeitalter ist eine neue Chance und eine Herausforderung», unterstrich Zafer Bakir, Leiter Digitalisierung und IT beim Schweizerischen Baumeister-Verband. Für ihn steht der Unternehmer im Zentrum der digitalen Transformation und bei der Umsetzung des Konzepts. Bakir zeigte auf, dass die praktische Anwendung der Digitalisierung allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette «Planen-Bauen-Betreiben» zahlreiche neue Chancen bietet. «Auch der Bundesrat hat die Vorteile von Building Information Modeling (BIM) erkannt und der Aktionsplan der Bundesstrategie sieht vor, dass der Bund alle bundesnahen Betriebe ab 2021 diese Methode anwenden», sagt Bakir. Weil die Digitalisierung des Bauhauptgewerbes jedoch nicht nur eine Frage von BIM ist, sondern auch neue Technologien, Kompetenzen und Arbeitsweisen bedeutet, lanciert der Schweizerische Baumeister-Verband ein ganzheitliches Konzept. Damit will man zusammen mit den Sektionen und den Fachverbänden die Mitglieder, das Bauhauptgewerbe und die gesamte Branche bei der digitalen Transformation unterstützen.

Werner Lenzin