Angehende Maurer lernen 10 000-jähriges Handwerk in Graubünden

«An die 100 Jahre wird unser Bauwerk überdauern», sagte der Trockenmauerspezialist Kari Gerber bei der Instruktion am ersten Arbeitstag. Eine Woche lang leisteten Zuger Maurerlehrlinge einen Arbeitseinsatz in Graubünden.

Das Gebiet, in dem der Einsatz stattfand, könnte malerischer nicht sein. Das Safiental gehört zu den ruhigsten und abgelegensten Tälern der Schweiz. Den Ort kennt man vielleicht deshalb, weil hier vor Jahren der erste Solarskilift der Welt in Betrieb genommen wurde. Vom Bauplatz, einer Alp oberhalb der Ortschaft, sieht man den Piz Beverin. Die grünen Wiesen wurden gerade ein letztes Mal gemäht – jederzeit wurde auf dieser Höhe mit dem ersten Schnee gerechnet. Das Wetter bei Start der Woche, in der der Einsatz stattfand, war traumhaft. Als erstes wurde der Bauplatz eingerichtet. Das uralte Handwerk des Erstellens von Trockenmauern kommt mit wenigen Werkzeugen aus. Neben einem Fäustel und Maurerhämmern gibt es Meissel, die im Fachjargon Setzer und Preller genannt werden. Kari Gerber erklärte den aufmerksamen Lernenden die wichtigsten Handgriffe. Die Gruppe bestand aus dem zweiten und dritten Lehrjahr der Maurerklassen am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug GIBZ. Die Lehrbetriebe des Zuger Bauhauptgewerbes stellen die Lernenden ohne Lohnabzug für eine ganze Woche frei. Nur dank dem grossen Engagement der Berufsbildner ist ein solches Projekt überhaupt realisierbar. Einige der Lehrmeister nehmen sich auch die Zeit um ihre Schützlinge in Tenna zu besuchen.


Die Bauleistung der jungen Leute ist gewaltig. Die fünfzehn Teilnehmer erstellten in vier Tagen gut 18 Laufmeter Mauer. Ein Meter davon ist an die 700 Kilogramm schwer. Jeder Stein ging durch die Hand eines Maurers. Kari Gerber arbeitet zum vierten Mal mit Pascal Kunz, dem Bereichsverantwortlichen der Maurer, zusammen. Gemeinsam organisieren sie diese Einsätze, diesmal für den Naturpark Beverin auf dem Land eines Biobauern. Nur dank dem grossen Idealismus der Organisatoren und der Begeisterungsfähigkeit der Maurer sind solche nachhaltigen Projekte realisierbar. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Fall, dass Menschen ohne maschinelle Hilfe aus bestehendem Steinmaterial ein bleibendes Bauwerk errichten. Einige der 103 Einwohner des Dorfes haben die Mauer schon während des Bauprozesses inspiziert, so «gwunderig» waren sie. Am Donnerstagabend war die Mauer vollendet und der Bauplatz wieder in seinem ursprünglichen Zustand. So blieb am Freitag noch Zeit, die «Art Safiental» zu besuchen, eine Kunstaustellung, eingebettet in die Landschaft des Safientals.

Im Herbst 2019 werden die Zuger Maurer erstmals in ihrem Heimatkanton Hand anlegen. Auf dem Walchwilerberg wird eine bestehende, alte Trockenmauer saniert.
Pascal Kunz GIBZ