Spezialeinsatz beim Brückeneinbau

Im Verlauf der Autobahn A1 bei Osnabrück, Deutschland, wird eine 50 Jahre alte Brücke durch einen Neubau ersetzt. Wegen ihrer speziellen Konstruktion ist der Abbruch ein aufwendiger Vorgang. Das ausführende Unternehmen Upek GmbH wählte für das Zertrennen besonders heikler Betonelemente das Kemroc-Schneidrad Erwetor DMW 220 an einem 50-Tonnen-Bagger. Damit blieb der Abbruch der östlichen Fahrbahn bisher im Zeitrahmen.

Mit einer sehr ungewöhnlichen Konstruktion bekamen es die Experten des Abbruchunternehmens Upek GmbH beim Abbruch der Dütebrücke zu tun: Diese aus dem Jahr 1968 stammende, vierstreifige Autobahnbrücke der A1 bei Osnabrück ruht auf acht Stützenpaaren und besteht aus einer einzigen, 280 Meter langen und 35 Meter breiten Betonplatte – also gewissermassen aus einem Guss. Deshalb musste die Porr Deutschland GmbH, als Generalunternehmer für Abbruch, Erdbau und Neubau der Brücke beauftragt, zunächst das Bauwerk mit einer stählernen Tragkonstruktion unterbauen und anschliessend längs durchschneiden, um nacheinander die beiden Brückenhälften abreissen und neu errichten zu können. Zudem überspannt das rund 300 Meter lange, bis 18 Meter hohe Bauwerk nicht nur das Flüsschen Düte, sondern auch eine ICE-Strecke, weshalb einige Abbrucharbeiten nur während der Betriebspausen der Bahn ausgeführt werden können. Schliesslich stehen die benachbarten Düteauen auch noch unter Naturschutz. Deswegen kam ein üblicher Abbruch mit einem Longfront-Bagger vom Boden aus nicht infrage.

Das mit den Abbrucharbeiten des ersten, östlichen Brückenteils beauftragte Subunternehmen Upek aus Steinfeld (Niedersachsen, Deutschland) wählte daher für den besonders heiklen Brückenabschnitt über der Bahnstrecke ein Kemroc-Schneidrad Erwetor DMW 220, angebaut an einem 50-Tonnen-Bagger. Das Vorgehen Schritt für Schritt in Zeitlupe: Der Bagger ruht auf der bestehenden, rund 15 Meter breiten Fahrbahnhälfte und der Fahrer trennt mit dem Schneidrad ein etwa 1 Meter grosses Quadrat aus der Betonstruktur heraus. Danach dreht er es mit dem Löffel rückwärts auf die Fahrbahn. Dort kann er es mit Hammer und Schere wirksam zerkleinern. Sehr praktisch: Weil das Betonelement nicht mehr frei schwebt, sondern auf dem Brückenbelag liegt, kann die Kraft des Hammers besser einwirken. Und weil Bewehrung und Spannstahl schon vorher einmal zerschnitten wurden, fällt das Nachzerkleinern des Stahls mit der Schere deutlich leichter.

Zwischenbericht mit Zuversicht

Ende Mai 2018 waren die Abbrucharbeiten über der ICE-Strecke schon abgeschlossen und Teile des Oberbaus noch mit konventioneller Technik abzureissen. Für den späteren Abbruch der 115 Zentimeter starken Brückenköpfe und der Widerlager war wieder der 50-Tonner mit dem Erwetor-Schneidrad vorgesehen. Das Zwischenresümee des Geschäftsführers Johannes Prues: «Beim Zerschneiden der bis zu 65 Zentimeter dicken Betonfahrbahn erreichten wir eine Fräsleistung von rund 30 Metern pro Stunde und einen Abbruchfortschritt von rund einem Meter Fahrbahn pro Stunde. Natürlich war der Verschleiss in dieser stark bewehrten, dicht mit 32 Millimeter starkem Spannstahl durchzogenen Betonstruktur enorm. Aber wir erzielten wie erhofft den erwünschten Abbruchfortschritt auf diesem sensiblen Brückenabschnitt über der ICE-Strecke innerhalb der knappen Zeitfenster mit ruhendem Bahnverkehr.»

Auch für die folgenden Einsätze des Kemroc-Schneidrades an den Brückenköpfen und den 80 bis 120 Zentimetern starken Widerlagern zeigte sich der Abbruchunternehmer zuversichtlich: «Mit der enormen Eindringtiefe des Schneidrades von 100 Zentimetern können wir Betonstrukturen zerschneiden, die mit herkömmlicher Schneid- und Trenntechnik nur sehr aufwendig zu bewältigen wären. Zudem löst das Schneidrad an den Brückenköpfen und Widerlagern ein weiteres Problem. Auch diese sind nämlich jeweils aus einem Guss. Nur mit dem Schneidrad können wir den östlichen Teil abbrechen, ohne die westliche Betonstruktur, über welcher weiterhin der Strassenverkehr rollt, zu beschädigen. Mit Hammer und Schere wäre dies kaum möglich.»

Problemlöser und Tempomacher

Inzwischen hat sich das Kemroc-Schneidrad auch schon bei eher konventionellen Einsätzen von Upek bewährt. Der 30 Mitarbeiter und 50 Maschinen starke Regionalführer im Raum Osnabrück hat sich auf Abbruch- und Erdarbeiten, Bauschutt-Recycling und Schwerlast-Transporte spezialisiert und führt auch Aufträge in ganz Norddeutschland aus. Der Firmenchef: «Beim Abriss von Gebäude- und Kellerwänden beispielsweise erzielen wir mit dieser Maschine einen vielfach schnelleren Arbeitsfortschritt als mit herkömmlichen Bagger-Anbaugeräten. Das Kemroc-Schneidrad ist für unser Unternehmen ein unverzichtbarer Problemlöser und Tempomacher geworden. Ich habe es nach einem Monat Mieteinsatz gekauft.»