Spektakulärer Bau aus Recyclingbeton

Die Vision eines Museums des 21. Jahrhunderts – das neue Zürcher Kunsthaus – nimmt konkrete Formen an: Mit der Fertigstellung des Rohbaus im Juli 2018 wird das Gebäude, dessen Entwurf von David Chipperfield Architects stammt, erstmals in seiner ganzen Dimension und seinen Proportionen erlebbar. Das imposante Gebäude am Heimplatz, das ein Ort der Kunst sein soll und das ein Tor zum Hochschulareal bilden soll, wurde zu 95 Prozent aus Recyclingbeton erstellt. Der Beton wurde direkt vor Ort hergestellt.

Gross, grösser, neues Kunsthaus: Jetzt, da der Rohbau des neuen Kunsthauses fertig erstellt ist, erkennt man seine Dimensionen. Während der 1958 eröffnete Erweiterungsbau sich vornehm zurückhält und dem Gebäude von Karl Moser den Vortritt lässt, wird der Neubau ein Gegenstück bilden und nur schon alleine aufgrund seiner Grösse den Heimplatz prägen. Anlässlich einer Medienorientierung betonte Stadtrat und Hochbauvorstand André Odermatt die städtebauliche Bedeutung des Chipperfield-Baus: Zusammen mit dem bestehenden Kunsthaus und dem Schauspielhaus stärkt er den Heimplatz als Ort der Kultur und markiert gleichzeitig das Tor zum Hochschulgebiet.

Bauliche und betriebliche Qualität
Im Inneren des Rohbaus lassen sich die Proportionen der zukünftigen Museumsräume in ihren Grundzügen erkennen. Wiebke Rösler Häfliger, Direktorin des Amts für Hochbauten der Stadt Zürich, lobte David Chipperfields Entwurf: die räumlichen Qualitäten, die Materialisierung sowie die Eingangshalle, die zum öffentlich zugänglichen Garten der Kunst führt, seien wie aus einem Guss. Kunsthaus-Direktor Christoph Becker sieht im grössten Kunstmuseum der Schweiz ein Symbol für Kontinuität und Erneuerung. So gebe es mehr Raum für die Interaktion zwischen Kunst und Publikum. Der Anteil der zeitgenössischen Kunst werde ebenso gestärkt wie die französische Malerei, die mit der Stiftung Sammlung E.G. Bührle einen Schwerpunkt bildet, wie er ausserhalb von Paris sonst nirgends in Europa erfahren werden kann. Mit einem Shop- und Barbetrieb sowie einem Festsaal – Einrichtungen, die auch ausserhalb der Öffnungszeiten des Museums geöffnet bleiben können – wird das neue Kunsthaus Menschen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen anziehen und an sein Angebot heranführen.

Komplexe Grossbaustelle
Die Baustellenlogistik am Heimplatz gestaltet sich sehr anspruchsvoll. Das zeigt sich allein anhand der grossen Materialumwälzungen, der knappen Fläche für Geräte und der Koordination parallel laufender Prozesse. Zu Spitzenzeiten sind bisher ungefähr 120 Bauarbeitende gleichzeitig am Werk. Dass die unterirdische Passage – sie verbindet das bestehende Kunsthaus mit dem Neubau – für die Verkehrsteilnehmenden beinahe unbemerkt erstellt wird, ist nicht selbstverständlich.

Ökologisch vorbildlicher Museumsbau
Das neue Kunsthaus ist im Sinne der Ressourcenschonung und der Nachhaltigkeit vorbildlich. Beim Neubau entfällt ungefähr 95 Prozent des verbauten Betons auf Recyclingbeton aus Abbruch. Dieser wurde vor Ort erstellt. Das Gebäude ist weiter über den gesamten Lebenszyklus auf die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft ausgerichtet. Grosse Fenster lassen viel Tageslicht hinein, auch wenn so weniger Wände für das Zeigen der Exponate zur Verfügung stehen. Das Gebäude verfügt über ein Kühlsystem, aber keine Heizung.

Finanzen im Griff
Der Baustart erfolgte am 3. August 2015. Bis jetzt verläuft der Baufortschritt nach Plan. Der Kredit von 206 Millionen Franken wird gemäss heutigem Projektstand eingehalten. Davon stammen 80 Millionen von Privaten. Die Fertigstellung soll im Jahr 2020 erfolgen. Die Fassade wird mit Naturstein aus der Schweiz verkleidet.

Die Vorabklärungen für die Erweiterung des Kunsthauses Zürich starteten im Jahr 2006, der Projektwettbewerb fand 2008 statt. Als Standort wurde der Heimplatz gewählt, gegenüber dem bestehenden Kunsthaus. Dies machte jedoch eine Entlassung zweier alter Turnhallen aus dem Inventar, was den Heimatschutz auf den Plan rief. Dies führte in der Folge zu Verzögerungen. Weil die Planung aber im Jahr 2008 begann, ist der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich kein BIM-Projekt.