Syrien: Nun wurde Lafarge eingeklagt

Kann es sein, dass Jan Jenisch, der letztes Jahr als CEO von Sika zurücktrat und neuer starker Mann bei Lafarge Holcim wurde seinen Wechsel zwischenzeitlich bereut. Nicht nur, weil sein neuer Arbeitgeber einen Verlust von 1,7 Milliarden Franken schreibt, sondern auch, weil das Unternehmen Lafarge neu eingeklagt wurde, in Syrien Terroristen finanziell unterstützt zu haben. Bisher waren in dieser Angelegenheit nur ehemalige Führungskräfte ins Visier der Justiz geraten. Deshalb konnte Jenisch an der Bilanzmedienkonferenz auch versichern, dass das Unternehmen nicht Gegenstand der Untersuchung war. Nun hat aber der NGO Sherpa auch das Unternehmen selber eingeklagt.

Der Hintergrund: Lafarge eröffnete im 2010 mit grossem Pomp und im Beisein des französichen Botschafters eine neue Zementfabrik in Syrien. 700 Millionen Dollar liess der französische Konzern, der mittlerweile mit dem schweizerischen Holcim fusionierte, sich das neue Werk kosten. Es handelte sich um die grösste private Investition in Syrien und stellte für den Baustoffhersteller eine wichtige strategische Entscheidung dar. Allerdings brach im Jahr darauf der Bürgerkrieg aus. Der Vorwurf von Sherpa lautet, dass Lafarge Zahlungen an verschiedene Gruppierungen leistete, um trotz Bürgerkrieg weiter Zement produzieren zu können.

Bis 2014 produzierte Lafarge in Syrien – für einige wütende ehemalige Angestellte viel zu lange. Am 19. September 2014 flüchtete der Betriebsleiter zusammen mit zehn Personen, kurz darauf griff ISIS  an. 30 Personen waren in der Fabrik zurückgelassen worden, ihnen glückte die Flucht eine Stunde vor Angriff nur per Zufall. Elf von ihnen haben sich nun der Klage von Sherpa angeschlossen.

Lafarge hat im Januar 2018 rund 267 000 Seiten Dokumente an die Behörden übergeben. Der Konzern hat zudem eine interne Untersuchung zum Vorgehen der damaligen Lafarge in Syrien in Auftrag gegeben. Die Untersuchung wird von erfahrenen externen Experten geführt.