FC Aarau: Der Turmbau zu Babel

Der FC Aarau soll ein neues Stadion bekommen. Wie das gelingen soll, darüber sind sich der Aarauer Stadtrat und die Bauherrin HRS offenbar uneins. Nachdem der Stadtrat gestern Wege zur Realisierung des «Plan B» präsentiert hatte, wandte sich die HRS und meinstadion.ch mit einer Medienmitteilung zu einem Plan C an die Öffentlichkeit.

Der Turmbau zu Babel scheiterte an der Kommunikation. Und auch in Sachen Stadionneubau zu Aarau scheint es mit den Gesprächen unter den am Projekt Beteiligten zu hapern. Fakt ist, dass der Stadtrat Aarau derzeit einen «Plan B» bevorzugt. Gemäss diesem soll der geplante Neubau des Stadions gemeinsam mit vier Hochhäusern errichtet werden. Die Wohntürme mit bis zu 24 Stockwerken sollen  die Kosten des Gesamtprojekts von 36 Millionen Franken finanzieren. Das Problem: Dieser Plan bedingt eine Zonenplanänderung, denn am vorgesehenen Standort dürfen keine so hohen Bauten errichtet werden.  Noch in diesem Jahr sollen die Stimmbürger über die Teilrevision des Zonenplans für den Bau der vier Hochhäuser abstimmen. Ein Nein würde wohl das Ende des Stadion-Neubaus und auch des Spitzenfussballs in Aarau bedeuten. Sollte die Teilrevision angenommen werden, die HRS aber dennoch nicht bauen, zum Beispiel weil Investoren für die Wohntürme fehlen, soll diese gemäss Stadtrat Aarau eine Konventionalstrafe entrichten müssen. Klar ist, dass der Aarauer Stadtrat für das Stadionprojekt kämpft.

Allerdings wurde gestern Abend nach der Medienkonferenz eine Mitteilung verschickt. In ihr steht: «Im Anschluss an die heutige Medienkonferenz hat ein erstes Gespräch zwischen der HRS Real Estate AG (HRS) und der meinstadion.ch GmbH (meinstadion.ch) stattgefunden. Seitens HRS hat deren CEO Martin Kull teilgenommen, seitens meinstadion.ch René Herzog und Michael Hunziker, beides Mitglieder der Geschäftsführung. In einem konstruktiven Gespräch ist man übereingekommen, die Möglichkeit einer Zwischenfinanzierung vertieft zu prüfen. Diese Zwischenfinanzierung soll es ermöglichen, den Stadionbau vom Vorliegen von rechtskräftigen Baubewilligungen von Hochhäusern zu entkoppeln. Damit könnte mit dem Bau des Stadions begonnen werden, auch wenn für die Hochhäuser noch keine Baubewilligung vorliegt.
Noch in dieser Woche soll zwischen HRS und meinstadion.ch ein weiteres Gespräch stattfinden, damit die Möglichkeit der Zwischenfinanzierung (sog. Plan C) weiter geprüft werden kann. Meinstadion.ch ist es wichtig, dass die Stadt Aarau und die FC Aarau AG bei diesen Gesprächen von Beginn weg ebenfalls teilnehmen. Den Vertretern von HRS und von meinstadion.ch ist es klar, dass diese Arbeiten unter einem grossen Zeitdruck stattfinden und daher von allen Beteiligten prioritär behandelt werden müssen.»

Die HRS verfügt bereits über eine Bewilligung für den Bau eines Stadions mit Mantelnutzung. Allerdings kamen ihr Bedenken zur Finanzierbarkeit, weswegen sie den «Plan B» mit den Hochhäusern präsentierte. Nun präferiert sie offenbar einen «Plan C». Es bleibt zu hoffen, dass die gemeinsamen Gespräche tatsächlich stattfinden. Denn sonst könnten die Aarauer Stadionpläne scheitern.