«Um Social Media kommen Bau-KMUs nicht herum»

Eric Sturm ist ein Architektur-Blogger aus Berlin. Er berät Bau-Handwerksbetriebe bei der digitalisierten Kundenansprache, also den Umgang mit Website und Social Media.  Am Donnerstag, 22. Februar 2018, wird er um 13.30 Uhr an der Messe «Dach + Holz» in Köln zum Thema referieren.

Herr Sturm, Sie sind seit 15 Jahren als Blogger im Bereich Architektur und
Bauen aktiv. Wie sind Sie dazu gekommen?
Eric Sturm: Meine Architektur-Diplomarbeit im Jahr 2000 hiess «unternull.de – ein
Schwimmbad unter dem Alexanderplatz». Ich habe dafür nicht nur Pläne gezeichnet
und Modelle gebaut, sondern auch meine erste Website gestaltet. Die kam super
an, erstaunlicherweise auch bei den Medien, vom Lokalfernsehen und -radio über Tageszeitungen bis hin zur Zeitung Bild. Da habe ich gemerkt: Architektur interessiert die Leute, wenn man sie gut verständlich und mit tollen Bildern im Netz präsentiert.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie mit Social Media
gemacht?
Sturm: Spontan fallen mir eigentlich nur positive Dinge ein: Als ich mich 2007
selbständig gemacht habe, kamen via Xing die ersten Kundenkontakte und
Aufträge. Bis heute nutze ich die Plattform gerne für das digitale Networking.
Via Twitter hole ich mir seit zehn Jahren Fachinformationen, entdecke
interessante Leute, Firmen oder Themen. Instagram ist für mich eine super
Inspirationsquelle in Sachen Architektur. Und über Facebook kann man bestens
mit alten Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, finde ich. Auf allen
Plattformen veröffentliche ich natürlich auch selbst, zum Beispiel Bilder von fertiggestellten Websites oder Seminartermine. Eine bessere und günstigere Werbeform kann ich mir gar nicht vorstellen.

Warum empfehlen Sie Handwerksbetrieben, soziale Netzwerke aktiv zu
nutzen? Wie können sie davon profitieren?
SturmWie alle Dienstleister leben auch Handwerker von ihrem guten Ruf – oder  neudeutsch ausgedrückt: von ihrem Image. Und das Bild, das Interessenten oder Kunden von einem Betrieb haben, wird heutzutage eben auch im Internet geprägt, weil sich viele Kunden zuerst online informieren. Eine Website gehört also als Grundausstattung unbedingt dazu und wer ein bisschen mehr tun will, sollte auch die eine oder andere Social Media-Plattform nutzen. Das lohnt sich übrigens auch jetzt, wo die Auftragsbücher wegen des Baubooms voll sind: Ein moderner Betrieb, der im Netz sympathisch rüberkommt, findet leichter gute Mitarbeiter, als ein Handwerker, der nur in einem Branchenbuch steht!

Wie viel Fachwissen ist hierzu notwendig?
SturmEigentlich recht wenig, denn die Plattformen sind inzwischen so «laientauglich», dass jeder, der ein Smartphone (zum Fotografieren) und einen Computer hat, einfach loslegen kann. Kleiner Tipp: Einsteiger sollte nicht gleich die eigene Unternehmensseite auf Facebook oder Twitter anlegen. Zum «Üben» macht es Sinn, erst mal ein privates Profil anzulegen und die verschiedenen Funktionen auszuprobieren. Ganz wichtig auch: Erst mal gucken, was die anderen so machen, also die Wettbewerber aus der eigenen Branche, die Gewerbeverbände oder die Berufsverbände.

Welche Kanäle und Aktivitäten lohnen sich? Wie viel Zeit und Geld kostet
das?
SturmKurze Antwort: An Facebook kommt (noch) niemand vorbei, da sollte man unbedingt vertreten sein. Instagram ist super, wenn man jüngere Leute
erreichen will und gutes Bildmaterial hat. Und Twitter ist optimal, um Politiker,
Verbandsleute und vor allem Journalisten zu erreichen. Zum Thema Kosten: Ein
paar Stunden pro Monat und – wenn man einen Dienstleister beauftragt – ein
paar Hundert Euro muss man dafür natürlich schon investieren. Aber ich finde,
es lohnt sich.

Ist es für Handwerksbetriebe ratsam, seine Kunden und Follower hinter
die Kulissen blicken zu lassen, zum Beispiel mit Werkstattbildern und
Impressionen vom Arbeitsalltag?
Sturm: Solche Sachen finde ich super und sie kommen meistens am besten an.
Natürlich wird jeder Betrieb seine eigene Strategie entwickeln: Die einen wollen
als besonders innovativ wahrgenommen werden und posten auch mal
technische Details, die anderen setzen vielleicht einen Schwerpunkt auf die
Personalgewinnung, da steht dann mehr das Team im Vordergrund. Aber
grundsätzlich gilt: Eine gute Mischung von «Hochglanz-Bildern», zum Beispiel
von neuen Projekten, und dem Blick hinter die Kulissen ist optimal.