Wie wirkt sich BIM auf Geschäftsmodelle aus?

Gemäss einer Studie der Beratungsfirma Roland Berger AG wird sich der Markt für BIM-Anwendungen bis 2022 vorausslichtlich vervierfachen. Wer nicht mitmacht, werde demnach aus dem Markt gedrängt, weil BIM zum Standard werde.

Experten der Unternehmensberatung Roland Berger AG befragten im Rahmen ihrer Studie «Turning point for the construction industry – The disruptive impact of Building Information Modelling BIM» Experten der europäischen Bauindustrie. BIM mache die Planung, Umsetzung und Verwaltung von Bauprojekten viel schneller und effizienter, erklärt Sven Siepen, Bauindustrie-Experte von Roland Berger in Zürich. «Fehler in der Bauplanung lassen sich so früher erkennen, neue Erkenntnisse werden im System hinterlegt und können für die nächsten Projekte wieder genutzt werden.» Gemäss Siepen hat die Schweiz den Trend schon früh angenommen, verschiedene Start-ups, insbesondere solche, die von der ETH kommen, würden die Entwicklung vorantreiben. «Die Generalunternehmen setzen bei grossen Bauvorhaben konsequent auf BIM und realisieren entsprechende Vorteile bei Kosten, Geschwindigkeit und Qualität. Das ist eine Möglichkeit, die Nachteile des starken Frankens zu kompensieren», weiss Siepen.
Im Gegensatz dazu verbindet BIM alle Beteiligten auf einer Plattform und erspart so viele Koordinationsschritte. «Jede Änderung wird bei BIM automatisch im gesamten Bauplan umgesetzt», erläutert Siepen. «Bauelemente oder Dienstleistungen der einzelnen Firmen können wie in einem Baukasten neu zusammengestellt oder durch neue Anbieter ersetzt werden.»
Die Vorteile der neuen Technologie schlagen sich in den Marktzahlen nieder: So wird sich der Markt für BIM-Anwendungen zwischen 2014 und 2022 voraussichtlich vervierfachen – von 2,7 auf circa 11,5 Milliarden Dollar. Dies bedeutet aber auch, dass Bauunternehmen, die diese Technologie nicht einsetzen, im Nachteil sein werden. «Dabei geht es nicht nur um Kosteneinsparungen», warnt Roland Berger-Experte Siepen: «BIM entwickelt sich zunehmend zum Standard für die gesamte Bauindustrie. Ohne Zugang zum System werden Unternehmen mittelfristig aus dem Markt gedrängt, da sie auf dieser Plattform nicht sichtbar sind und der Abstimmungsprozess mit ihnen zeit- und kostenaufwändig ist.»
Die starken Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung der Baubranche ergeben, zwingen allerdings alle Marktteilnehmer dazu, ihre Geschäftsmodelle zu revidieren. Denn durch BIM können zum Beispiel Architekten und Planer direkt über Dienstleister und Materialien entscheiden. Ausserdem werden etwa Bauprojekte mit niedrigen Margen noch stärker unter Druck stehen; lukrative Nachträge für Bauunternehmen fallen ja schliesslich weg. Und auch Generalunternehmer und Baustoffhändler werden deutlich an Einfluss verlieren, da die Material- und Produktentscheidung im Bauprozess immer weiter nach vorne verlagert wird.
«All das bedeutet, dass sich die Geschäftsverhältnisse innerhalb der Bauindustrie verändern: Designer und Planer werden direkt mit Baustoffherstellern in Kontakt treten», erklärt Siepen.
Beim digitalen Wandel sollten Firmen allerdings ihre Belegschaft nicht vernachlässigen, warnt Siepen, die Mitarbeitenden sollten vielmehr auf neue digitale Prozesse und Technologien vorbereitet werden. «Denn beim BIM geht es nicht nur um den Einsatz von digitalen Werkzeugen, sondern um eine digitale Unternehmenstransformation», so Siepen.
Roland Berger, 1967 gegründet, ist die einzige der weltweit führenden Unternehmensberatungen mit europäischen Wurzeln. (yf)