Sika nach Rekordumsatz – und vor Entscheidungsjahr

Neues Jahr, alte Probleme: Sika wird das Jahr 2017 phänomenal abschliessen. Erstmals konnte ein Umsatz von über 6 Milliarden erreicht werden. Möglich gemacht haben dies ein Expansionskurs sowie Übernahmen. Allerdings: Der Streit der Sika-Führung mit der Gründerfamilie Burkard, die ihre Anteile an Saint-Gobain verkaufen möchte, ist noch nicht beigelegt. In den nächsten Monaten wird ein erneutes Gerichtsurteil erwartet. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass die unterlegene Seite das Bundesgericht anrufen wird.

Im vergangenen Jahr konnte Sika den Umsatz um 8.9 Prozent in Lokalwährungen steigern und mit insgesamt 6,25 Milliarden Franken erstmals die Marke von  6 Milliarden Franken deutlich übertreffen. Das vierte Quartal zeichnete sich durch eine hohe Wachstumsdynamik aus. Alle Regionen erzielten Umsatzsteigerungen und konnten ihre Marktanteile weiter ausbauen. Überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten wurden in den USA, in Mexiko, Argentinien, China, Südostasien, Pazifik, Naher Osten, Osteuropa, Afrika und im Bereich Automotive erzielt.

Paul Schuler, Vorsitzender der Konzernleitung: «Im Geschäftsjahr 2017 haben wir unsere Wachstumsstrategie mit einer Umsatzsteigerung von 8.9 Prozent erfolgreich fortgesetzt und erwarten neue Rekordzahlen beim Betriebsergebnis und Gewinn. Mit neun neuen Fabriken, drei weiteren Ländergesellschaften und sieben Firmenübernahmen haben wir auf einem hohen Niveau in Wachstumsmärkte sowie in Wachstumsplattformen in Form von Produkttechnologien und Vertriebskanälen investiert. Diese 19 strategischen Investitionen, unsere Pipeline mit innovativen Qualitätsprodukten und unsere globale Präsenz von mittlerweile 100 Ländergesellschaften und mehr als 200 Fabriken lassen uns optimistisch in die Zukunft blicken. Mein Dank gilt unseren weltweit mehr als 18’000 Mitarbeitenden und dem Führungsteam, die mit ihrer Loyalität, ihrer Kompetenz und ihrem grossen Einsatz einen weiteren Rekordumsatz erzielt haben.»

2017 wurde in der Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) eine Umsatzsteigerung in Lokalwährung von 7.4 Prozent erreicht (Vorjahr: 4.8 Prozent). Gute Zuwachsraten verzeichneten die grossen EU-Länder mit den Kernmärkten Frankreich, Italien und Grossbritannien. Zweistellig gewachsen sind der Nahe Osten, Osteuropa und Afrika. In Afrika wurde die Präsenz mit der Gründung einer neuen Ländergesellschaft in Senegal und der Inbetriebnahme von drei neuen Werken weiter ausgebaut. In Daressalam in Tansania sowie in Douala in Kamerun wurden die jeweils ersten Fabriken für Betonzusatzmittel in Betrieb genommen und in Luanda in Angola das zweite Werk in dem Mörtelprodukte lokal gefertigt werden. In Almaty, Kasachstan, wurde die Produktion von Betonzusatzmitteln und Mörteln an einen grösseren Standort verlagert. In Russland wurde eine neue Produktionslinie für PVC-Membrane im Werk in Lobnya bei Moskau errichtet. Mit der Eröffnung einer neuen Fabrik für Mörtelprodukte und Betonzusatzmittel wurden jüngst auch die Fertigungskapazitäten in Lahore in Pakistan erweitert. Eine neue Anlage zur Produktion von Hochleistungs-Betonfasern für Kunden in der Region EMEA wurde im Werk in Troisdorf, Deutschland, in Betrieb genommen.

In Österreich konnte mit Bitbau Dörr ein führender Anbieter von Wasserabdichtungs­systemen akquiriert und in der Türkei mit ABC Sealants ein renommierter Hersteller von Dicht- und Klebstoffen für Bau-Innenapplikationen übernommen werden. Mit KVK Holding, deren Sitz sich in der tschechischen Hauptstadt Prag befindet, stiess darüber hinaus ein etablierter Anbieter von Abdichtungssystemen für Bauwerke und Dächer sowie von Mörtelprodukten zum Sika Konzern.

Den stärksten Zuwachs erzielte die Region Nordamerika mit 18.4 Prozent (Vorjahr: 7.8 Prozent), davon 8.5 Prozent durch Akquisitionen. Einen deutlichen Ausbau des Geschäftsvolumens hat Sika in den USA realisiert und den Umsatz um rund 20 Prozent gesteigert. Damit wuchs Sika im vergangenen Geschäftsjahr deutlich schneller als der lokale Baumarkt. Zum positiven Geschäftsverlauf trugen insbesondere die gezielten Investitionen in Nordamerika während der letzten Jahre bei, zu denen der Ausbau des Vertriebs sowie die Realisierung der Wachstumsstrategie mit Akquisitionen und die starke Expansion der Supply Chain mit neuen Fabriken nahe der schnell wachsenden Ballungszentren zählen. Ende des vergangenen Jahres wurde ein neues Werk für Betonzusatzmittel und Mörtel in der Nähe von Houston eröffnet, von dem aus das enorme Wachstumspotenzial des Baumarkts in Texas und im Südwesten der USA erschlossen wird. Mit der Übernahme von Butterfield Color, Inc., einem führenden Hersteller von dekorativen Betonböden und -systemen in den USA, wurde das Angebot für Betonverarbeiter erweitert und mit Emseal Joint Systems, Ltd., stiess zum Jahresende ein leistungsstarker Anbieter für strukturelle Expansionsfugen in den USA zur Unternehmensgruppe hinzu.

Der Umsatz in der Region Asien/Pazifik konnte um 5.2 Prozent gesteigert werden (Vorjahr: 3.6 Prozent). Hohe Zuwachsraten wurden in China, in der Pazifikregion und in den Märkten Südostasiens erzielt, mit Ausnahme von Singapur, wo sich die Baukonjunktur durch reduzierte Fördermittel für staatliche Wohnbauprojekte abgeschwächt hat.  Mit der Gründung der neuen Ländergesellschaft in Bangladesch ist der Konzern nun weltweit in 100 Ländern vertreten. Schlechter als im Vorjahr läuft es für Sika in Lateinamerika, wo die  Umsatzsteigerung von 5 Prozent auf 3,2 Prozent sank. Sika hat mit Investitionen in neue Werke und Zukäufen auch hier den Weg zu künftigen Umsatzsteigerungen geebnet.

Für das Geschäftsjahr 2017 sei mit einer überdurchschnittlichen Gewinnsteigerung mit einem Betriebsgewinn (EBIT) von  880 bis 900 Millionen Franken zu rechnen, schreibt Sika in einer Medienmitteilung. Für das Geschäftsjahr 2018 geht Sika von einer Umsatzsteigerung von über 10 Prozent aus. Allerdings: Eine wichtige Entscheidung steht noch aus. Erwartet wird, dass es im Übernahmestreit mit Saint-Gobain beziehungsweise mit der Sika-Gründerfamilie Burkard, die ihre Anteile veräussern möchte, in den kommenden Monaten zu einem neuerlichen Gerichtsurteil kommen wird. Es ist anzunehmen, dass die unterlegene Seite danach das Bundesgericht aufrufen wird. Affaire à suivre, also.

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