Ein neues Wahrzeichen für Dubai

Momentan darf der Burj Khalifa sich mit seinen 828 Metern Höhe noch stolz mit dem Titel des grössten Bauwerks der Welt rühmen. Doch währenddessen wächst ein noch grösserer, modernerer Turm von Babel aus dem Dubaier Boden: Der Dubai Creek Tower des Immobilienunternehmens Emaar Properties. Und bis 2020 wird dieser seinen Vorgänger mit 928 Metern Höhe um 100 Meter überragen. Ein neuer Sieger im Kampf der Giganten. Zumindest bis ein noch höherer kommt: Der Grundstein des voraussichtlich  1000 Meter hohen Jeddah Tower wurde bereits im saudi-arabischen Dschidda gesetzt. Wer ausser die superreichen Emirate könnte sich auch im Konkurrenzkampf zum Himmel behaupten?

Mit etwas Nationalstolz darf der Dubai Creek Tower uns Schweizer dann aber doch erfüllen. Denn der Entwurf des Turmes stammt von niemand geringerem als dem spanisch-schweizerischen Architekten und Künstler Santiago Calatrava. Dieser erlangte sein Ingenieurwissen an der Zürcher ETH und ist neben New York immer noch in Zürich wohnhaft.

Das Design der riesigen Nadel ist kunstvoll geschwungen, mit einem futuristischen Touch, und trotz seiner Grösse wirkt der Turm filigran. Nichts anderes ist vom innovativen Architekten zu erwarten, der unter anderem den Bahnhof Stadelhofen in Zürich entwarf. Neben seinem Fachwissen und seinem Flair für Ästhetik überzeugte der Architekt die Investoren auch mit seinem Interesse an der islamischen Tradition. Inspiration fand Caltarava in Bauwerken der islamischen Kunst, wie etwa der Moschee von Alhambra.

Mit einer Milliarde US-Dollar an Kosten ist der Wolkenkratzer immerhin günstiger als das letzte Projekt des Künstlers, die World Trade Center Path Station. Deren Kosten verdoppelten sich von 2 auf 4 Miliarden Dollar, dazu kam es häufig zu Verzögerungen beim Bau.

Seine Ambitionen als Architekt bleiben trotzdem gross, denn die physikalische Grösse des Creek Towers allein genügt hier nicht. Um das Gebäude herum soll ein neuer Stadtteil für 470 000 Einwohner entstehen. Zwei der 10 Aussichtsplattformen der Nadel werden mit Pflanzen bestückt sein. Calatrava plant also die hängenden Gärten von Babylon des 21.Jahrhunderts errichten. Und dies tut er, wie er es zu sagen pflegt, für die Menschen.

Ob er uns Menschen auch eine Brücke über den Genfersee baut, das bleibt noch unklar. Die Mehrheit der Genfer Bevölkerung stimmte 2016 dafür. Doch bevor der Architekt sich wieder kleineren Projekten widmen kann, wird er sein bisher höchstes Projekt beenden.

Levin Stettler