Schweizer Untertagbau: Es fehlen gesicherte Projekte

Die Arbeit der Schweizer Untertagbauer ist von anhaltenden Marktunsicherheiten geprägt. Das Bauvolumen kann in den nächsten 12 Jahren bestenfalls um bis zu 32 Prozent steigen. Werden wichtige Grossprojekte aber weiter zurückgestellt, schrumpft das Bauvolumen auf 3 Prozent. Fachwissen und Arbeitsplätze in der Schweiz sind gefährdet. Das zeigt eine Studie von Infra Suisse, welche zum heutigen Barbaratag – Tag der Schutzpatronin der Bergleute und Mineure – veröffentlicht wurde.

Europäische Spitzenpolitiker kamen 2016 zur prestigeträchtigen Einweihung des Gotthard-Basistunnels, mit 57 Kilometern der längste Tunnel der Welt. Sie alle waren voll des Lobes für den traditionsreichen Schweizer Untertagbau. Dass es hierzulande für die Branche aufgrund von hohen politischen und juristischen Hürden immer schwieriger wird, künftiges Bauvolumen abzuschätzen, ist wenig bekannt. Nicht selten dauert es Jahrzehnte bis zum tatsächlichen Baubeginn. Paradox dabei: Ob Schiene oder Strasse, Schweizer Untertagbauten waren schon immer wichtig und werden in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, um Verkehrsüberlastungen und -emissionen zu verringern. Vor diesem Hintergrund veröffentlicht Infra Suisse bereits zum dritten Mal die Marktaussichten für den Schweizer Untertagbau in den nächsten zwölf Jahren.

Jahrzehntelange Zitterpartie für Untertagbauer
Auch in der aktuellen Studie zeichnet sich ein unsicheres Bild für die Branche ab. Das Bauvolumen im Untertagbau kann von 2018 bis 2030 um ein knappes Drittel zunehmen. Allerdings nur, wenn sämtliche in Planung befindlichen Grossprojekte auch tatsächlich wie vorgesehen bis 2030 realisiert werden. Werden nur die Projekte umgesetzt, welche heute als gesichert gelten, schrumpft das Bauvolumen auf knapp 3 Prozent.

Eine schwierige Situation für die Schweizer Untertagbau-Firmen, die sich mit grossen personellen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert sehen. Um zu verhindern, dass nicht nur Arbeitsplätze in der Schweiz, sondern auch wichtiges Know-how verloren gehen, brauchen sie ein gewisses Mass an Verlässlichkeit über die Höhe des Bauvolumens. «Die Unsicherheit, wie sich der Markt entwickelt, bereitet den Schweizer Tunnelbauer Sorgen,» stellt daher auch Matthias Forster, Geschäftsführer von Infra Suisse, fest.

Gesicherte Projekte sind rar
Vor allem bei den Bahn- und Nationalstrassentunneln ist eine verlässliche Prognose laut Infra Suisse sehr schwierig geworden. Bei den Bahntunneln fällt das heutige Bauvolumen bei den gesicherten Projekten im schlimmsten Fall bis ins Jahr 2023 von 573 auf knapp 50 Millionen Franken. Dies entspricht einem Rückgang von über 90 Prozent. Bei den Nationalstrassentunneln ist die Situation weniger dramatisch. Das heutige Volumen sinkt bei den gesicherten Projekten bis 2023 um 62 Prozent von 655 auf 252 Millionen Franken. Die laufenden Bahntunnel-Grossprojekte wie der Bözbergtunnel II oder der neue Albulatunnel können den negativen Trend nicht massgeblich verlangsamen. Relevant wird für die Untertagbauer sein, welche Tunnelprojekte von den eidgenössischen Räten in den Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35 aufgenommen werden.