«Gute Manieren im Geschäftsalltag zahlen sich aus»

In der heutigen Arbeitswelt zählen nicht nur eine gute Ausbildung und eine breite Berufserfahrung, sondern auch Soft Skills. Im Dezember gibt es einige gesellschaftliche Anlässe, bei denen Bauunternehmer punkten können oder nicht. Die Trainerin für Umgangsformen Gabriele Köhler sagt, worauf es ankommt.

Schweizer Bauwirtschaft: Auf dem Bau geht es eher rauh zu und her – warum sollten also Bauunternehmer sich mit Knigge beschäftigen?
Gabriele Köhler: Erfolg im Beruf zeichnet sich durch das persönliche Auftreten und die Wirkung auf die Person, mit der man es zu tun hat, aus. Man sagt zwar: «Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance», was stimmt, aber auch im Verlaufe einer Geschäftsbeziehung kann man unbewusst Fehler begehen, die negativ auf einen zurückfallen. Eine souveräne Ausstrahlung und ein gutes Benehmen – Klasse, eben – führen zum Erfolg. Klasse beziehungsweise guter Stil sind lernbar. Wer die Umgangsformeln beherrscht, kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, auf den geschäftlichen Erfolg. Das Wissen um die richtigen Umgangsregeln und die Regeln des Anstandes sind zudem auch im Privatleben von Vorteil.

Das Wissen in Ehren – in bestimmten Situationen reagiert man jedoch spontan, ohne dass man sich fragt, ob das den Benimmregeln entspricht, oder?
Köhler: Das trifft durchaus zu. Gerade darum ist es wichtig, dass man die guten Manieren gezielt trainiert. So verhält man sich in allen Situationen souveräner und steigert seine Erfolgsaussichten. Zudem ist der Umgangston im Geschäftsleben enorm wichtig. Wenn eine Seite dazu beiträgt, dass er positiv ist, führt das zu einer besseren Geschäftsbeziehung.

Es gibt doch auch einen gesunden Menschenverstand. Warum sollte ein Bauunternehmer also Kniggeregeln trainieren, wenn er doch in der Regel weiss, wie man sich richtig benimmt?
Köhler: Das Benimmtraining zielt darauf ab, die Wahrnehmung im Umgang mit anderen Menschen zu schärfen. Dabei geht es um die gute Beziehung von Menschen untereinander. Zudem haben Bauunternehmer häufig mit Auftraggebern aus anderen Branchen zu tun, also mit privaten Bauherren, die allenfalls im Finanzsektor arbeiten, zum Beispiel, oder aber mit Vertretern der öffentlichen Hand. Was im Bau gilt, gilt dort nicht. Wer mit guten Umgangsformen glänzt, zeichnet sich gegenüber Mitbewerbern positiv aus. Weiter ist es auch wichtig, dass das Äussere, also die Kleidung, stimmt.

Wie sieht denn eine ideale Businesskleidung denn aus? Grauer Anzug mit weissem Hemd?
Köhler: Generell gilt, dass man nicht dunkler gekleidet sein sollte als höher gestellte Personen. Von daher ist grau gewiss keine schlechte Farbe für einen Businessanzug. Braun dagegen ist eine Farbe, die man tagsüber gut tragen kann, die aber abends nicht geht.

Sind Jeans ein No-go?
Köhler: Nicht unbedingt. Wenn es legerer sein darf, sind Jeans in Kombination mit einem Jacket durchaus eine gute Wahl. Wichtig ist einfach, dass es sich um qualitativ hochstehende Jeans handelt. Das gilt übrigens immer, wenn es ein wenig legerer wird. Das geht nur in Kombination mit guten Stoffen und Marken.

Eigentlich wissen ja alle, wie man sich im Geschäftsleben anziehen soll, nicht?
Köhler: Die Grundregeln sind bekannt, gewiss. Es sind die Details, die immer wieder vergessen gehen. Die Schuhe, etwa, oder der Gürtel. Ich habe immer wieder mit Geschäftsleuten zu tun, die zwar teure Massanzüge tragen, aber dazu schlecht geputzte Schuhe. Das geht nicht. Auch die Kleinigkeiten müssen in sich stimmig sein.

Sie trainieren auch Benimmregeln für ganz alltägliche Situationen wie eine Begrüssung. Da kann man doch nicht viel falsch machen, oder?
Köhler: Doch, man kann, und noch wichtiger: Man kann einiges besser machen und sich so positiv in Szene sitzen. Ich will Ihnen dazu eine Situation schildern, die jeder kennt. Man ist eingeladen und bringt den Gastgebern einen Blumenstrauss mit. Das ist nett gemeint, aber in der Regel kommen viele Gäste mit Blumen, und so sind die Gastgeber gestresst, weil sie sich zwischen den Begrüssungen um Vasen kümmern müssen. Viel netter ist es darum, einen Blumenstrauss im voraus schicken zu lassen. So können sich die Gastgeber unbeschwert freuen und man verbleibt ihnen in besserer Erinnerung. Ob Treffen, Meeting oder Businesslunch – es gibt immer die Möglichkeit zu patzen. Das sollte man vermeiden.

Welche Fehler kann man bei einem Businesslunch begehen?
Köhler: Häufig beobachte ich, dass die Leute bei einem Essen im Restaurant nicht richtig mit der Serviette umgehen. Sie lassen sie neben sich auf dem Tisch liegen, das geht nicht. Die Serviette gehört auf die Knie. Man muss nicht befürchten, sich die Kleidung zu beschmutzen, nachdem man sich mit ihr den Mund abgewischt hat, wenn man sie richtig legt. In guten Restaurants ist die Serviette immer so gefaltet, dass eine Seite länger ist als die andere. Diese längere Seite legt man auf die Beine, mit der kürzeren wischt man sich den Mund. Da diese immer auf der längeren liegt, kann nichts passieren. Ein weiterer Fauxpas ist es, das Handy oder den Schlüssel neben sich auf den Tisch zu legen. Selbstverständlich sollte man während des Essens auch nicht telefonieren. Für Frauen gilt, dass sie ihre Handtasche so platzieren sollen, das diese den Kellner nicht behindert. Gleichzeitig gilt es aber auch als nicht schicklich, die Handtasche über die Lehne zu hängen. Wenn man sich zuprostet, dann tut man es so, dass sich die Gläser nicht berühren. Weiter soll der Butterteller dort bleiben, wo er auf dem Tisch steht. Jeder nimmt sich mit dem Messer eine kleine Portion Butter, ohne den Butterteller zu verstellen. Das ist hygienischer. Suppenteller sollte man nicht kippen, allerdings darf man eine klare Bouillon durchaus aus der Tasse trinken.

Man isst ja bei einem Businesslunch nicht nur, man muss auch Smalltalk miteinander halten, nur schon, um danach ernsthaft miteinander ins Gespräch kommen zu können. Wie verhält man sich bei solchen Plaudereien am besten?
Köhler: Das sind banale und doch sehr schwierige Situationen. Trotzdem muss festgehalten werden, dass betretenes Schweigen vermieden werden sollte. Im Grunde müssen alle solche Momente durchmachen, sogar Staatsoberhäupter, wenn sie sich treffen. Es ist wichtig, dass man beim Smalltalk locker bleibt, denn schliesslich soll einen der andere als sympathisch wahrnehmen. Im Idealfall ist der Smalltalk ja ein Türöffner. Die Plauderei ist quasi nur das Vorspiel zu den eigentlichen Verhandlungen und Gesprächen, die man mit dem Geschäftspartner führen möchte. Ich würde empfehlen, dass man Smalltalk mit einem Coach trainiert. So vemeidet man Fettnäpfchen und Tabuthemen. Zudem wird man gewandter darin, vom oberflächlichen, allgemeingültigen ersten Satz ins Private vorzustossen, um das Gegenüber besser kennenzulernen. Was man auch üben sollte, ist es, gerade zu sitzen, denn das hat einen Einfluss auf die Stimme. Diese soll ja fest klingen, nicht piepsig. Ein weiteres Thema ist: Wohin mit den Händen? Wer Smalltalk-Situationen einübt, ist danach weniger in Gefahr, dass er unbewusst mit den Fingern dauernd Zuckertüten zerknüllt, zum Beispiel.

Eine Frage, die sich stellt, ist jeweils die Ansprache in Mails. Viele schreiben salopp «Guten Tag Herr Müller» oder sogar «Hallo Herr Müller». Was halten Sie davon?
Köhler: Das geht gar nicht, ein «Hallo Herr Müller» empfinde ich sogar als respektlos. In Mails gibt es eigentlich nur zwei Arten von Anreden. Kennt man jemanden nicht oder nicht gut, dann schreibt man: «Sehr geehrter Herr Müller». Hat man sich kennengelernt und versteht sich gut, dann kann es ein «Lieber Herr Müller» sein, um auf die gute Beziehung hinzuweisen. Alles andere ist umgangssprachlich und hat in einer Geschäftskorrespondenz nichts zu suchen.

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