Moderne sozialpartnerschaftliche Lösungen sollen möglich werden

Das heute geltende Arbeitsgesetz AgG wurde vor über 50 Jahren in Kraft gesetzt und entspricht nicht den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt. Der Schweizerische Gewerbeverband sgv verlangt deshalb den Abbau unnötiger Regelungen um KMUs zu entlasten. SBV-Zentralpräsident Gian-Luca Lardi unterstützt dies und meint: «Eine funktionierende Sozialpartnerschaft braucht in flexibles und liberales Arbeitsrecht.»

Es ginge nicht um eine Erhöhung der Arbeitszeit, betonten Vertreter des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv an der Pressekonferenz, sondern um eine Flexibilisierung dieser Arbeitszeiten. «Durch die Digitalisierung und die sich wandelnden Lebensumstände haben sich auch die Umstände des Arbeitslebens immer mehr verändert», so Jean-Francois Rime, Präsident sgv und SVP-Nationalrat. Es gebe Überregulierungen, die der heutigen Arbeitswelt nicht gerecht werden, führte sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler aus. Zum Beispiel sei die Höchstarbeitszahl von 45 Stunden nicht mehr zeitgemäss, deshalb fordere der sgv eine Höchstarbeitszahl von  50 Stunden. Bestimmte Branchen seien auf flexiblere Arbeitszeiten angewiesen, «die Bedürfnisse verlaufen nicht exakt entlang der Grenze des Arbeitsgesetzes.» Heute müssten Aufträge schneller abgewickelt werden, deshalb solle es möglich sein, vorübergehend die Höchstarbeitszeiten überschreiten zu können. Vor allem auch im Hinblick auch auf die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schweiz.

Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV: «2018 stehen im Bauhauptgewerbe wichtige sozialpartnerschaftliche Verhandlungen an. Es geht um die Erneuerung des Landesmantelvertrages LMV. In diesem Gesamtarbeitsvertrag werden die Arbeitsbedingungen für rund 80’000 Beschäftige im Bauhauptgewerbe von den Sozialpartnern gemeinsam definiert – spezifisch auf die Bedürfnisse unserer Branche zugeschnitten. Der Schweizerische Baumeisterverband bekennt sich zur Sozialpartnerschaft und strebt einen modernen LMV an, mit dem die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Bauwirtschaft nicht nur erhalten, sondern vielmehr gesteigert werden muss. Die Modernisierung des LMV hilft uns, dass die Bauunternehmen in der ganzen Schweiz nicht nur attraktive, sondern vor allem auch möglichst viele sichere Arbeitsplätze anbieten können. Damit die Schweizer Bauwirtschaft langfristig wettbewerbsfähig bleibt, werden wir Sozialpartner uns auch im LMV von alten Zöpfen verabschieden müssen. Zentral für das Bauhauptgewerbe ist eine möglichst flexible Regelung der Arbeitszeit, sowohl im Arbeitsgesetz wie auch in unserem Landesmantelvertrag. Der Schweizerische Baumeisterverband ist überzeugt, dass die Einführung eines praxistauglichen Jahresarbeitszeitmodells die richtige Antwort auf die anstehenden Herausforderungen ist. Damit wir zusammen mit unseren Sozialpartnern gemeinsam Lösungen finden können, dürfen wir nicht unnötig von einem veralteten Arbeitsgesetz ausgebremst werden.»

Lardi betonte,  eine Jahresarbeitszeitmodell und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten entsprechen den Kundenbedürfnissen des Bauhauptgewerbes, weil immer kürzere Bauzeiten verlangt werden. Auch die Mitarbeitenden würden es schätzen, weil sich ihre Ansprüche geändert hätten. Schliesslich würde eine solche Flexibilisierung auch der Digitalisierung Rechnung tragen.

Sylvia Flückiger-Bäni, Vorstand sgv, Präsidentin Lignum Holzwirtschaft Schweiz, Nationalrätin und Unternehmerin betonte, es ginge nicht darum, das Wohl der Arbeitnehmer geringer zu schätzen. «Als Unternehmerin weiss ich, dass das grösste Kapital der KMUs ihre Mitarbeitenden sind», sagte sie. Eine Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes sei auch in deren Sinne, nicht zuletzt weil so Arbeitsplätze gesichert werden können.