Das nördlichste Hochhaus der Welt wächst in die Höhe

St. Petersburg wird gerne auch Venedig des Nordens genannt, und das zu Recht. Die historische Innenstadt mit 2300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern, die Weltkulturerbe der Unesco ist, wird weltweit tatsächlich nur noch von der italienischen Lagunenstadt übertroffen. Aber ab nächstem Jahr könnte die Stadt, die lange Jahre Leningrad hiess, nicht wegen der Ermitage berühmt sein, sondern wegen des höchsten Hochhauses Europas und des höchsten nördlichen Wolkenkratzers. Tatsächlich hat das Gazprom-Hochhaus «Lachta-Zentr» aktuell die Rekordhöhe von 394 Meter erreicht. Laut Fontanka.ru ist der Büro-Turm im Norden Petersburgs jetzt bereits zehn Meter höher als sein Konkurrent «Federazia-Wostok» in Moskau. Bei der Fertigstellung des Turms 2018 soll die Endhöhe von 462 Metern und 87 Etagen erreicht werden. Das rasante Wachstum ist auch von weitem im historischen Stadtzentrum bemerkbar, wo sich die Glasspitze ins Blickfeld zwischen die historischen Höhenmarken, die goldenen Spitzen der Admiralität und der Peter- und Paulsfestung, drängt. Klar ist schon jetzt, dass der Gazprom-Prestigebau, der dereinst eine glitzernde Glasfassade aufweisen wird, das St.Petersburger Stadtbild verändern wird.

Dabei ist zu bemerken, dass der Wolkenkratzer ursprünglich zentraler liegen sollte. Proteste bewirkten die Verlegung an den Stadtrand. Damals war noch eine Höhe von rund 400 Metern vorgesehen – heute beträgt sie mehr als einen Fünftel mehr. Gazprom will eben um jeden Preis gesehen werden. Neben einer Aussichtsplattform für Touristen umfasst der Baukomplex des Energie-Konzerns auch einen Jacht-Hafen. Auffällig sein wird nicht nur seine Höhe, sondern auch die glitzernde Glasfassade.

Im Volksmund wird der Bau aufgrund seiner Form bereits «Maiskolben» genannt. Kleines Detail am Rande: Schon mehrmals wurde der Feueralarm ausgelöst, weil zeitweise ein feiner Wolkenkranz um die Turmspitze schwebt. Diese Dunstwolke entsteht aber wegen den Wärmegeneratoren, mit denen die Räume geheizt werden. Es handelte sich also um Fehlalarme.