Verlängerter Herbst rundet starkes Baujahr 2011 ab – Quartalsstatistik des SBV

Publikationsdatum: 07.03.12|

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind im vierten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahresquartal nominell um 5,4% gestiegen. Für das gesamte Jahr beliefen sich die Umsätze auf rund 19,7 Mrd. Franken, was ebenfalls einem Plus von 5,4% gegenüber 2010 entspricht. Erfreulich entwickelten sich 2011 vor allem der Tiefbau (+9,5%) und der Wohnungsbau (+7,8%). Der Wirtschaftsbau brach um 9% ein. Witterungsbedingt dürfte das erste Quartal 2012 etwas schwächer ausfallen, worauf auch die Bauvorhaben für dieses Quartal hindeuten (-10,4%). Dies geht aus der neusten Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) hervor. Sie basiert auf einer Erhebung bei 1615 Baufirmen.

Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe betrugen im 4. Quartal 2011 knapp 5,2 Mrd. Franken, 5.4% mehr als im Vorjahresquartal. Die milde Witterung im Spätherbst und Frühwinter liess im Gegensatz zu 2010 das Bauen vielerorts bis kurz vor Weihnachten zu. Auch die Auftragseingänge entwickelten sich mit +9% sehr erfreulich. Die Arbeitsvorräte nahmen um 6,6% zu und beliefen sich Ende Jahr auf über 11 Mrd. Franken.

Wohnungsbau als Zugpferd

Der Wohnungsbau legte gegenüber dem Vorjahresquartal um satte 14,1% zu. Auch der Auftragseingang (+11,9%) sowie der Arbeitsvorrat (+10,6%) zeigen sich weiterhin positiv. Auch wenn der milde Herbst das Bauen erleichterte, dürfte angesichts der tiefen Zinsen und der weiterhin hohen Attraktivität der Schweiz für Zuwanderer dem Wohnungsbau so schnell der Schnauf nicht ausgehen.

Tiefbau weiterhin verlässlich

Der Tiefbau erweist sich weiterhin als Stütze für die Baukonjunktur: Beim Umsatz resultierte gegenüber dem Vorjahresquartal ein Plus von 6%, das Gesamtjahr weist gar ein Plus von 9,5% auf. Dies lässt darauf hoffen, dass die öffentliche Hand auch bei verlangsamter Konjunktur den Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur nicht vernachlässigt.

Wirtschaftsbau spürt Krise

Im Wirtschaftsbau spürt das Bauhauptgewerbe den konjunkturellen Gegenwind. Die unsichere weltwirtschaftliche Lage und die Frankenstärke hemmt die Investitionslust der Firmen. Die Umsätze gaben im vierten Quartal um 9,3% nach, für das ganze Jahr resultiert ein Minus von 9%. Die Bauvorhaben der Baufirmen im ersten Quartal 2012 liegen um 26,7% tiefer als im Vorjahresquartal. Dabei dürfte aber die kalte erste Februarhälfte einen negativen Einfluss haben (vgl. weiter unten).

Luftholen vor dem Sommer

Die rückläufigen Bauvorhaben (-10,4% gegenüber dem Vorjahr) für das laufende, erste Quartal 2012 deuten auf eine Abnahme der Bautätigkeit hin. Dies dürfte aber in erster Linie auf die Witterung zurückzuführen zu sein: Just zu dem Zeitpunkt, als auf vielen Baustellen der Betrieb wieder aufgenommen hätte werden sollen, schwappte eine Kältewelle über die Schweiz und verunmöglichte das Bauen im Freien vielerorts. Gerade grössere Baufirmen melden ihre Zahlen oft recht spät und dürften diese Entwicklung in ihren Kalkulationen deshalb bereits berücksichtigt haben. Die nach wie vor hohe Zahl der baubewilligten Wohneinheiten und die mehr als soliden Auftragseingänge (+9%) stimmen aber für das Sommerhalbjahr zumindest vorsichtig optimistisch. Viele Baufirmen nutzten die witterungsbedingten Pausen zum Abbau der Überstunden aus dem Herbst. Die konjunkturelle Abkühlung der Gesamtwirtschaft dürfte sich aber mittel- bis langfristig auch für die Bauwirtschaft negativ auswirken. Dies würde sich aber eher in einer Stabilisierung auf hohem Niveau als in einem eigentlichen Einbruch äussern.

Beschäftigungsrückgang

Die Zahl der Festangestellten hat von Dezember 2010 zu Dezember 2011 um etwas über 4% abgenommen. Darin spiegelt sich der langfristige Trend zu vermehrtem Einsatz von Maschinen, vorgefertigten Bauteilen sowie zu höher qualifiziertem Personal mit entsprechend höherer Produktivität. In den letzten Jahren wurde dieser Effekt durch das Umsatzwachstum kompensiert.
Bei den Lehrlingen ist das Minus mit knapp 6% am grössten. Gerade in städtischen Gebieten gestaltet sich die Suche nach geeigneten Lehrlingen nicht immer einfach.

Die Konjunktur- und Beschäftigtenzahlen wurden mittels Hochrechnung ermittelt. Dank der hohen Abdeckungsquote von 57,9% (Beschäftigungszahlen) resp. 49,7% (Konjunkturdaten) – gemessen an der SUVA-Lohnsumme im Bauhauptgewerbe, welche alle Betriebe umfasst – ist die Aussagekraft der Konjunkturdaten hoch. Da das Bauhauptgewerbe starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden jeweils die Quartale des Vorjahres als Vergleichsgrösse herangezogen.