Schweizer Zementhersteller sind unter Druck

Publikationsdatum: 31.05.16|

Die Inlandlieferungen der schweizerischen Zementindustrie beliefen sich 2015 auf etwas über 4,2 Millionen Tonnen. Sie lagen damit knapp 8 Prozent unter denjenigen des Vorjahres. Für das laufende Jahr rechnet der Verband Cemsuisse mit leicht höheren Zementlieferungen. Trotzdem: Wettbewerbsnachteile und Schutzbestimmungen gefährden Schweizer Zementhersteller.

Zu Beginn seines Referates drückte Urs Schwaller, Präsident der Cemsuisse, seine Besorgnis über die stark zunehmenden Importe aus. Diese seien 2015 um knapp einen Viertel angestiegen. Der Importdruck sei vor allem eine Folge der grossen Überkapazitäten im europäischen Raum. Die schweizerischen Zementunternehmen verfügen über eine ausreichende Kapazität, um die gesamte Inlandnachfrage zu decken, versicherte Urs Schwaller. Dies notabene auf einem hochstehenden ökologischen Niveau, gilt doch die schweizerische Umweltschutzgesetzgebung im internationalen Vergleich als vorbildhaft. Während in der Schweiz über 50 Prozent der Zementlieferungen per Bahn erfolgen, werden die Importe über Hunderte von Kilometern ausschliesslich per Lastwagen in die Schweiz transportiert. Dadurch fallen hohe Emissionen an. Urs Schwaller wies darauf hin, dass die ausländischen Fahrer häufig zu Bedingungen arbeiten, welche in der Schweiz nicht zulässig seien. Dies wirke wettbewerbsverzerrend und schädige letztlich nicht nur die schweizerische Zementindustrie, sondern auch alle schweizerischen Transportunternehmen, die für ihre Fahrer gute Arbeitsbedingungen gemäss dem geltenden GAV schaffen. Die im Inland gestellten hohen Anforderungen an eine ökologische Zementproduktion werden mit dem Import von Produkten ausgehebelt, da im Ausland mit zum Teil deutlich niedrigeren Umweltauflagen gearbeitet werde. Urs Schwaller: «Diese Wettbewerbsbenachteiligung gefährdet mittel- und längerfristig sehr ernsthaft die Industrieproduktion in der Schweiz.» Für Schwaller gehört die Frage der Rohmaterialversorgung in das gleiche Kapitel der Gefahr der ungleich langen Spiesse zwischen der schweizerischen und der ausländischen Zementindustrie. Um den Betrieb der Zementwerke langfristig zu sichern, sei die Industrie auf einen langfristig gesicherten Rohmaterialabbau angewiesen. Er wies darauf hin, dass vor knapp 20 Jahren die Gebiete um die bestehenden Steinbrüche herum in das Inventar der schützenswerten Landschaften und Naturdenkmäler (BLN-Inventar) eingezont worden seien.

Besorgte Kantone

Die Kantonsregierungen der Standortkantone von Zementwerken – Aargau, Bern, Graubünden, Neuenburg und Waadt – haben in einer Resolution ihre grosse Besorgnis in Bezug auf die langfristige Versorgung von Kalkstein und Mergel aus ausgedrückt. Die Steinbrüche von vier Zementwerken grenzen heute unmittelbar an die BLN-Gebiete an oder liegen sogar vollständig darin. Ein weiterer Abbau ist damit kaum mehr möglich. Problematisch sei letztlich auch die Tatsache, dass in der Schweiz rund 85 Prozent der Landfläche unter irgendeinem Titel geschützt sei. Weniger als 15 Prozent sehen für Wohnraum, Arbeit und Mobilität zur Verfügung.  Bundesrätin Doris Leuthard hat daraufhin die Mitwirkung des BAFU und des ARE bei der Erarbeitung einer Planungshilfe für den Abbau in BLN-Gebieten zugesichert. Schwaller wies darauf hin, dass die entsprechenden Arbeiten gut vorangeschritten seien.

Auch in anderen Bereichen

Die Problematik «Rohmaterialversorgung versus Schutzinteressen» bildete das Kernthema des Referates von Frau Staatsrätin Jacqueline de Quattro, Ehrengast der diesjährigen Generalversammlung der Cemsuisse. Sie legte in aller Deutlichkeit dar, dass sich diese Frage nicht nur beim Abbau von Rohmaterial zeige, sondern auch im Bereiche der Umsetzung der Energiestrategie. Als Vorsteherin des Departementes für Raumordnung und Umwelt des Kantons Waadt versuche sie in ihrer täglichen Arbeit stets, einen Ausgleich zwischen Nutzungsansprüchen und dem Landschaftsschutz zu schaffen.

Wechsel im Präsidium der cemsuisse

Urs Schwaller gab nach neunjähriger Tätigkeit seinen Rücktritt als Präsident der Cemsuisse bekannt. Seine neue Aufgabe als Präsident der Schweizerischen Post bringe es mit sich, dass er aus zeitlichen Gründen und zur Vermeidung jeglicher Interessenkonflikte Mandate wie jenes der Cemsuisse früher als geplant abgebe. Er teilte mit, dass der Vorstand der Cemsuisse beschlossen habe,  Beat Vonlanthen, Ständerat, zur Wahl als neuen Präsidenten vorzuschlagen. Vonlanthen sei jedoch nach wie vor Mitglied Freiburger Regierung. Er werde seine Aufgabe im Interesse des Kantons bis Ende 2016 mit aller Kraft wahrnehmen und bis zu diesem Zeitpunkt keine neuen Mandate annehmen. Die Wahl von Vonlanthen werde somit im Rahmen einer ausserordentlichen GV gegen Ende Jahr vollzogen werden.