Gegenläufige Trends im dritten Quartal

Publikationsdatum: 27.11.12| Silvan Müggler

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe gingen im dritten Quartal 2012 im Vergleich zum starken Vorjahresquartal nominell um 1,8 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken zurück. Im Hochbau legten sie leicht zu (+2,1%); im Tiefbau sanken sie um fünf Prozent. Der Wohnungsbau erwies sich mit +3,6 Prozent als robust. Die Auftragseingänge gingen stark zurück (-9,2%).

Im Bauhauptgewerbe zeigen sich gegenläufige Entwicklungen: Der Hochbau – getrieben vom Wohnungsbau – ist immer noch stark; der Tiefbau hingegen hat Einbussen hinzunehmen. Auffallend ist die Divergenz vor allem beim Arbeitsvorrat: Im Hochbau lag er per Ende September um zwölf Prozent höher als vor einem Jahr, im Tiefbau hingegen 5,6 Prozent tiefer. Bei den Auftragseingängen verzeichnete der Hochbau einen Rückgang um 7,3 Prozent und der Tiefbau um elf Prozent. Allerdings war das Vergleichsjahr 2011 auch ein sehr starkes Tiefbaujahr. Dies geht aus der neusten Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes hervor. Sie basiert auf einer Erhebung bei 1593 Baufirmen.

Durchwachsene Aussichten

Zugpferd bleibt der Wohnungsbau, wo die Baufirmen an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Die Auftragseingänge sanken hier zwar um zwei Prozent, der Arbeitsvorrat liegt aber 15,3 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Kapazitäten werden in den nächsten Quartalen den Umsatz bestimmen, denn Aufträge sind genügend vorhanden. Im Tiefbau hingegen macht sich die zurückhaltende Investitionspolitik vieler Kantone angesichts drohender Budgetdefizite langsam bemerkbar. Für das laufende vierte Quartal sind die Bauvorhaben im Tiefbau allerdings nur geringfügig kleiner als vor einem Jahr (-2,1%). Über alle Bausparten betrachtet blieb der Arbeitsvorrat konstant (+0,9%).

Widersprüchliche Signale im Wirtschaftsbau

Der sich in den letzten zwei Quartalen abzeichnende Aufschwung beim Wirtschaftsbau verliert an Fahrt. Die Umsätze gingen leicht zurück (-2,4%) und die Auftragseingänge sanken um 20,4 Prozent. Immerhin: Der Arbeitsvorrat per Ende September ist grösser aus vor einem Jahr (+7,3%). Dies gilt auch für die Bauvorhaben für das laufende Quartal (+7,9%). Damit scheint die Trendwende – seit 2008 schrumpfen die Umsätze – noch nicht ganz erreicht. Die zukünftige Entwicklung hängt mehr als bei anderen Baubereichen von der internationalen Entwicklung ab.

Stau beim Wohnungsbau

Die Zahl der im Bau befindlichen Wohnungen steigt zusehends. Mit 74040 erreichte sie gemäss Bundesamt für Statistik den höchsten Wert seit Jahrzehnten. Entsprechend ist der Arbeitsvorrat der Baumeister beim Wohnungsbau gegenüber dem Vorjahr um 15,3 Prozent gestiegen. Die Umsätze indes stiegen nur um 3,6 Prozent. Auch die Zahl der Bauvorhaben für das laufende Quartal ist nicht höher als vor einem Jahr (+0,6%). Es fehlt schlicht an Kapazitäten, die Aufträge abzuarbeiten. Die Umsätze hängen in erster Linie davon ab, wie viel gebaut werden kann. Ein entscheidender Faktor wird daher im bevorstehenden Winter die Witterung sein. Die stagnierenden Auftragseingänge (-2,0%) deuten aber auf eine längerfristige Konsolidierung hin. Die striktere Praxis der Banken bei der Hypothekenvergabe scheint zu wirken. Mittel- bis langfristig werden sich das verfügbare Bauland sowie die Kapazitätsengpässe im Bereich der Planung und Entwicklung als limitierende Faktoren verstärken.

Angeschlagener Tiefbau

Die Umsätze im Tiefbau sanken gegenüber dem sehr starken Vorjahresquartal um fünf Prozent. Die Auftragseingänge gingen um elf, im öffentlichen Tiefbau gar um 17,0 Prozent zurück. Im privaten Tiefbau – welcher in erster Linie vom Wohnungsbau abhängig ist – stiegen die Umsätze jedoch um 9,7 Prozent. Zahlreiche Kantone sind wegen drohender Budgetdefizite bei den Investitionen vorsichtiger geworden. Zudem fehlen auf nationaler Ebene im Moment die ganz grossen Projekte. Die Bauvorhaben für das laufende, vierte Quartal deuten jedoch kurzfristig nicht auf einen Einbruch im Tiefbau hin (-2,1%). Angesichts der bestehenden und sich abzeichnenden Kapazitätsengpässe bei der Verkehrsinfrastruktur bleiben die langfristigen Aussichten trotz allem gut.  

Rückläufige Beschäftigung

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe sank per Ende September gegenüber dem letzten Jahr um zwei Prozent. Auffallend ist der starke Rückgang beim technisch-betriebswirtschaftlichen Personal (-6,1%). Immerhin: Die Zahl ist nicht kleiner als vor drei Jahren. Dennoch spiegelt sich im Rückgang die schwierige Suche nach geeigneten Fach- und Führungskräften, allen voran nach Bauführern. Trotz hoher Nachfrage seitens der Baufirmen steigt ihre Zahl nicht.

Methodik

Die Konjunktur- und Beschäftigtenzahlen wurden mittels Hochrechnung ermittelt. Dank der hohen Abdeckungsquote von 61,3 Prozent (Beschäftigungszahlen) respektive 54,7 Prozent (Konjunkturdaten) – gemessen an der Suva-Lohnsumme im Bauhauptgewerbe, welche alle Betriebe umfasst – ist die Aussagekraft der Konjunkturdaten hoch. Da das Bauhauptgewerbe starken saisonalen Schwankungen unterliegt, werden jeweils die Quartale des Vorjahres als Vergleichsgrösse herangezogen.